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Oldschool journalism with modern attitude - since 2005

Mittwoch April 26, 2017
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51 items tagged "Kritik"

Ergebnisse 1 - 20 von 51

Review: Die For Rock N' Roll / Double Crush Syndrome

0e9b9d7bb1-DCS AlbumcoverFür diesen RocknRoll möchte man sterben: Andy Brings (Ex-Sodom, Ex-Traceelords) und sein Double Crush Syndrome (mit dabei: Slick Prolidol - bass, vocals und Julian Fischer - drums) knickern mit einer großen Plattenfirma (Nuclear Blast) im Rücken ihre größten Hits neu ein und packen dazu noch ein wenig mehr in die Bonbontüte des Rock.

Fans des Eyelinerrocks kennen natürlich schon das Gros der Songs vom selbst produzierten "The You Filter" (REVIEW). Das gute Stücke räumte damals 5 von 6 Gitarren bei uns im Test ab und nun knallt das neue Double Crush Syndrome gleich 14 Tracks auf das Labeldebüt.

Was damals gut war, bleibt gut. Oder ist sogar noch besser: Wer nach dem Refrain von "Die for Rock 'n' Roll" keinen Ohrwurm als Haustier sein Eigen nennt, hat die Rockmusik nie geliebt.

Zu den bekannten Tracks gibt es neue Perlen wie "Slow Suicide", "I wanna be your monkey" oder das geniale "Can't You Be Like Everyone Else". Andy und seine Spießgesellen musizieren dabei in der bekannten Brings-Schnittmenge zwischen den Ramones, Kiss und ziemlich männliche Runaways. Wahrhaft großes Kino und eine absolute Partygranate wird hier feil geboten, weshalb ich noch einmal einen halben Punkt zu "The You Filter" drauf packe. Die Rohheit ist in der Produktion leider ein wenig verloren gegangen, aber das ist wirklich nur Jammern auf höchstem Niveau. Well done...

 

Fazit: Starkes Labeldebüt

 

5-5von6

Review: Soul on Fire - Leben und Musik von Peter Steele

TONPetrus Thomas Ratajczyk hätte es gemocht, dieses Buch, das die Odyssee eines Lebens, gelebt in beinahe shakespearischer Dramaturgie, skizziert. Als Pete Steele hat Petrus Thomas mit einem Schlachtschiff von einer Band fremde Länder erobert, Emotionen gebündelt, Lebensinhalte für tausende Fans gestiftet. Type O Negative waren eine ganze besondere Formation, deren Einfluss vor allem in den Herzen der Hörer bei ihrer ganzen Düsternis nicht zu unterschätzen war und ist. Im Verlag Nicole Schmenk ist nun "Soul on Fire" von Jeff Wagner in der deutschen Variante (hervorragend übersetzt von Andreas Schiffmann) erschienen und das Buch ist die längst überfällige Biographie des 2010 an den Folgen eines gerissenen Aortenaneurysmas verstorbenen Bassisten und Sängers. Auf mehr als 300 Seiten wird die bisweilen kritisch betrachtete Karriere von Steele ausführlich behandelt, mit sehenswerten Fotos garniert und die Wichtigkeit des Bass-Hünen, der 1995 sogar das Cover des Playgirl zierte (hier wird mit dem Mythos aufgeräumt, dass Steele der Erste war, der mit erigiertem Penis auf den Seiten des Magazins abgebildet wurde - in der Tat war dieses Tabu bereits 1980 gebrochen worden), zelebriert und seziert. 

Wagner beschreibt Steele schonungslos: Vom Mann mit Visionen zum Drogenwrack, das mit nichts und wieder nichts zufrieden sein konnte, und wieder zurück - der New Yorker war eine schillernde Persönlichkeit in allen Extremen."Soul on fire" ist leicht und flockig zu lesen, so dass einem lediglich das tragische Ende schwer im Magen liegen könnte.

Das Buch endet natürlich - wie sollte es anders sein - mit dem tragischen Tod des Idols einer ganzen Metalgeneration. 2005 versetzte Steele bereits einige Fans in Angst und Schrecken, als die Startseite der Website von Type O Negative einen Grabstein mit der Aufschrift Peter Steele 1962–2005 zeigte, nur fünf Jahre später war das aufgrund des zügellosen Drogenmissbrauchs nie Undenkbare zu einem dann doch undenkbaren Zeitpunkt (Steele war seit neun Monaten clean und trocken) eingetreten: Petrus Thomas Ratajczyk starb im Alter von gerade einmal 48 Jahren: A dying God-man full of pain (aus "Christian Woman").

 

Fazit: Würdige Lebensgeschichte eines umstrittenen Musiker 

 

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Review: Call of Duty - Infinite Warfare

cod34Die Call of Duty-Reihe ist so etwas wie der Arnold Schwarzenegger unter den Actionspielen: Wo COD draufsteht, knall es an allen Ecken und Enden, gibt es mehr Explosionen als Dialoge. "Infinite Warfare" macht da natürlich keine Ausnahme, das will es aber natürlich auch überhaupt nicht, die Spielreihe ist schließlich die umsatzstärkste auf dem Planeten.

Die Story von Infinite Warfare ist fix erzählt: Die Zukunft - unendliche... ach nein. Endliche Rohstoffe. Die natürlichen Ressourcen der Erde sind erschöpft und die Menschheit muss sich von anderen Planeten und Asteroiden leckere Rohstoffe zusammenklauen. Doch das wollen auch andere. Die Settlement Defence Front (SDF) unter Führung von Admiral Salen Kotch vom Mars und gespielt von Kit Harington aus Game of Thrones (Jon Snow) ist der große (und komplett uncharismatische) Gegenspieler. Der Bösewicht quasi. Es gilt ihn also zur Strecke zu bringen. Viel mehr muss man nicht wissen, um in die Haut von Nich Reyes zu schlüpfen. Als dieser führen wir nun unsere Streitkräfte erstmals auch ins All. Und da, wo es eigentlich keine Explosionen zu hören gibt, knallen wir so manches Raumschiff in die ewigen Jagdgründe. Dabei bietet Infinite Warfare eine hübsche Mischung aus Herumlaufen und Ballern sowie Herumfliegen und - Ihr habt es Euch gedacht - Ballern. Die Grafik ist atemberaubend, die Explosionen suchen ihresgleichen, der Sound ist top, die Steuerung präzise, die Gegner fordernd (was vor allem an der enormen Menge der Kollegen liegt). Ist Infinite Warfare also das beste Action-Spiel nach Jesu Geburt? Nein, es ist nicht einmal das beste Call of Duty-Spiel, denn im Singleplayer ist die Story doch arg dünn und setzt auf ziemlich großspurigen Patriotismusquatsch im besten Ami-Stil. Dazu ist es einfach zu linear. Dieses CoD trennt die Gelegenheitsspieler von den Profis. Während erstere im Singleplayer eine Weile Spaß haben können, sind viele Pro-Zocker genervt von der vielen Rumhüpferei und den schlechten Spawnpunkten im Multiplayer. Hübsch hingegen: Ein im 80er Stil gehaltenes Jahrmarkt-Zombie-Abenteuer gibt es zum Spiel obendrauf. Tipp: Installiert bitte unbedingt die englische Sprachversion. Die deutsche Synchro stinkt.

 

Fazit: CoD im Weltraum - alles ballert, alles explodiert - Profis sind genervt

 

 

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Review: Dishonored 2 (PS4)

dish22012 war Dishonored, das Schleich und Attentatsspiel der französischen Softwareschmieder Arkane Studios ein echter Überraschungserfolg. Doch das ist vier Jahre her. Können die Franzosen mit dem Nachfolger nun an den Erstschlag anknüpfen? Dishonored 2 spielt 15 Jahren nach dem Vorgänger. Die einstige Thronerbin Emily Kaldwin wurde um ihr Privilieg, Kaiserin zu werden, betrogen und will nun Rache. Dabei hilft der junge Frau Ziehvater und Leibwächter Corvo Attano. Interessant: Man kann selber entscheiden, mit welchen Charakter man spielen möchte. Dabei spielen sich beide völlig unterschiedlich, was der Langzeitmotivation zugute kommt. Einen Koop-Modus gibt es hingegen nicht, würde dem Schleichspielprinzip aber auch entgegenwirken. 

Corvo spielt sich fast wie in Dishonored 1. Er kann die Wächter schleichend aber auch im furiosen Kampf bewältigen. Emily ist da eine ganz andere Nummer: Wer hier nicht schleicht und heimlich zu Werke geht, wird zwangsläufig häufig scheitern. Die Grafik wurde deutlich aufgebohrt, die Welt sieht wirklich sehr hübsch aus, wenngleich aktuelle Top-Titel wie Uncharted eindeutig die Nase vorn haben. Die Gegner agieren sehr indifferent. Mal strunzdumm, suchen sie in anderen Momente intelligent die ganze Gegend ab und machen es dem Spieler deutlich schwerer, sich zu verstecken, als noch im Vorgänger. Die Stadt Karnaca ist nun deutlich detaillierter und hat mehr zu bieten. 

Die Atmosphäre der Stadt ist sagenhaft, die Charaktere bleiben leider oft blass, genauso blass wie eher müde Story. Dennoch: Nach einigen ersten Stunden (in denen Dishonored 2 ein wenig zäh daher plätschert) wird das Spiel immer besser, das Leveldesign ausgeklügelter und übertrifft sogar das tolle Debütgame. Was nervt? Leider die Steuerung, die bewusst im 1st Person-Stil angesiedelt ist. Nicht immer ist die Bewegung am Gamepad so geschmeidig, dass man auch wirklich von einer Dachrinne zu nächsten hüpft, sondern wie ein Stein in die Gasse darunter plumpst. 

 

Fazit: Wie Dishonored 1 - nur noch besser. Problematisch bleibt die Steuerung.

 

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Review: Perzonal War - Inside The New Time Chaoz

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Bereits seit 20 Jahren ist die Trash-Metal-Band Perzonal War aus Troisdorf im deutschen Metal Untergrund am Werkeln. Aus diesem feierlichen Anlass hat die Band, um die Gründungsmitglieder Matthias Zimmer (Gitarre und Gesang) und Martin Buchwalter (Schlagzeug), mit „Inside The New Time Chaoz“ ein 20th-Anniversay Album vorgelegt. Die Scheibe, die insgesamt 11 Songs zählt, ist eine Mischung aus den ersten beiden Alben der Band. Fünf Lieder entstammen der ersten Platte „The Inside“. Die zweite Hälfte präsentiert sechs Tracks ihrer zweiten CD „Newtimechaoz“, das im Jahr 2000 erschien. Beide Alben sind schon lange ausverkauft, so entschloss sich das Quartett die beiden Scheiben im aktuellen Line-Up erneut aufleben zu lassen. Die alten Songs wurden neu aufgenommen, anders arrangiert und teils geändert. Das Wesen der Original-Stücke bleibt dabei erhalten. Fans der ersten Stunde wird es freuen, dass die ehemaligen Bandmitglieder Frank Buchwalter, Sascha Kerschens und Sven Krautkrämer ebenfalls mit von der Partie sind. Wie schon beim Original, weiß man beim ersten Song, woran man ist. „The Inside“ offenbart Trash-Metal vom Feinsten, gepaart mit melodischem Gesang. Weiter geht es mit D.O.P. Ähnlichkeiten zu Metallica können hier nicht geleugnet werden. Die Gitarrensoli des dritten Tracks, „Good & Evil“, bleiben besonders in Erinnerung, bevor es mit „Hornet“ weiter geht. Das Musikstück ballert anfangs ganz ordentlich, besticht aber auch mit langsameren Zügen. „Putrefaction Of Mind“ ist ein genialer Midtempo der ebenfalls mit schnelleren und ruhigen Passgen, vor allem aber mit einem tollen Refrain glänzt. Beim ersten Song des jüngeren Albums „Newtimebitch“ erinnert der Gesang abermals an Metallicas James Hetfield. Die wiederholenden Parallelen zu Metallica sind keineswegs schlecht, nerven aber an manchen Stellen etwas arg. Das Songwriting ist klassisch, doch nicht langweilig. Mit „Area Black“ folgt eine recht düstere Nummer, die jedoch die Vielfalt der Band hörbar macht. Spätestens bei „Mother Darkness“ ist die Stimmung aber wieder oben auf. 

 

 

Fazit: Gelungenes Revival der alten Songs

 

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Review: Colour of Noise- Colour of Noise

23474390416 afec2abb2b nDie halbe Stunde im Vorprogramm von Thunder im Herbst waren für Colour of Noise ein wichtiger Schritt in den Fokus der Rockfans. Die Classicrock-Band aus Brigthon fegte beeindruckend über die Bühne und machte so ihren knackigen Bluesrock mehr als schmackhaft. Das Debütalbum "Colour of Noise" wurde per Crowdfunding finanziert und ist mittlerweile erhältlich. Man hätte vielleicht noch etwas mehr Geld sammeln sollen, um sich ein vernünftiges Cover designen zu lassen. Ich habe seit vielen Jahren nicht mehr so ein gruseliges Artwork gesehen.

Dabei sind die Mitglieder  beileibe keine Unbekannten. Matt Mitchell singt bei Furyon und Bruce John Dickinson beispielsweise hat mit den legendären Little Angels schon eine hübsche Karriere hingelegt. Auf zehn Tracks beweisen die Briten, dass sie den 60er und 70er Bluesrock mit der Muttermilch aufgesogen haben. Immer wieder blitzen auch Led Zeppelin auf (etwa beim Motiv von "Can you hear me"), was ja nie eine schlechte Referenz sein kann.

Zwischen traditionellen Bluesklängen (zum Beispiel beim im Riffing an ZZ Top erinnernden "Medicine Man") wird es nur selten deutlich härter als es etwas bei Thunder zugeht, insofern war dieses Tourpackage die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Ohrwürmer können hier und da ebenfalls der Band entfleuchen: "Drive it like you stole it" (tolles Gitarrensolo!) oder "You only call me" (mit leichter Aerosmith-Schlagseite) sind starke Songs, während nicht alle Werke des Albums derart zünden (eher lahm: "Can't take it with you").

Die Scheibe endet mit "Great day for Rock & Roll" und der Tag, an dem "Colour of Noise" entschieden gemeinsame Sache zu machen, könnte sich in der Tat als toller Tag für unsere Lieblingsmusik erweisen. 

 

Fazit: Gutes Debüt mit Luft nach oben

 

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Review: Basar der bösen Träume / Stephen King

basar der boesen traeumeDer "Basar der bösen Träume" ist eine Kurzgeschichtensammlung von Gruselmeister Stephen King im Hörbuchformat. King ist mittlerweile aus der stets gerne der literarischen Schmuddelecke zugeordneten Horrorkategorie herausgetreten und zu einem der ganz großen amerikanischen Erzähler geworden. Zwar hat der heute 68-Jährige immer mal über den Tellerrand geblickt, doch Mitte der 2000er Jahre findet sich eine neue Qualität in seinen Geschichten. "Der Anschlag", "Joyland" oder "Mr. Mercedes" sind Paradebeispiele für den nicht mehr ausschließlich blutigen Stephen King.

Diese Sammlung an Geschichten schwankt in der Qualität, alle 20 werden aber erneut vom Berliner David Nathan - mittlerweile DIE Stimme Stephen Kings in Deutschland - formidabel eingelesen. Während eine Story wie "Raststätte Mile 81" (mitten in einen unauffälligen Frühlingstag im April hält ein unidentifzierbarer Kombi auf einem verlassenen Rastplatz inmitten von Maine. Er wird zur grässlichen Todesfalle für alle, die nur helfen wollen) stark an Christine erinnert und den frühren King darstellt, ist "Die Düne" (Der pensionierte Richter Harvey Beecher ist süchtig nach einer Düne auf einer kleinen Insel vor der Küste Floridas. Denn diese scheint nicht nur unbeweglich zu sein, sie kann auch Tote voraussagen. Der letzte Name ist jedoch etwas ganz Besonderes) perfide und hintergründig. Manche der Geschichten sind etwas seicht und eher ideenlos (Die Knochenkirche) oder klammern sich stark an bereits benutzten Ideen und Motiven des Meisters (Premium Harmony).

Alles in allem bekommt der Hörer aber ein ziemlich gutes Bild davon, wie King arbeitet, wozu auch die Texte zwischen den Geschichten beitragen. Hier lässt sich der Autor stark auf die Finger gucken, verrät Hintergründe zu Geschichten und seinem Leben. Spannend. 

Einige Geschichten stechen heraus: Das wäre einmal "Ur", in der Englischlehrer Wesley Smith von seiner neuesten technischen Errungenschaft, einem kindle, begeistert ist. Das Gerät zeigt ihm Werke und Nachrichten aus anderen Welten und zu anderen Zeiten. Ebenfalls richtig genial: "Nachrufe" (Das Internet schläft nie ist das Motto von Neon Circus, einem kreischend lauten wie bunten Onlinemagazins. Mike Anderson schreibt Nachrufe auf Verstorbene, bis er entdeckt, dass er mit diesen üblen Zeilen eine ganz besondere Macht bekommen hat" und Feuerwerksrausch". Letztere Geschichte beweist vor allem, dass King auch ohne den Touch Horror ein toller Erzähler ist. Zum Abschluss der Sammlung wird es mit "Sommerdonner" apokalyptisch und ziemlich traurig. 

Eine Hörprobe gibt es HIER!

 

Fazit: Ziemlich starke Kurzgeschichtensammlung, formidabel von David Nathan vorgetragen

 

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Review: Mortal Kombat XL (XBox One)

mortal kombat xl 1 rawEin Test von Mortal Kombat X? Ist das nicht eine olle Kamelle? Nein. Im April 2015 erschien mit "Mortal Kombat X" der zehnte Teil der Prügelserie. Doch "Mortal Kombat X" wurde erst im Herbst  in Deutschland auf den Markt geworfen. Mit Mortal Kombat XL kommt nun das, was man "Maximum Gore" nennen könnte. Erweitert wurde das Hauptspiel um alle bisher veröffentlichten DLCs, dazu kommen neue Charaktere wie den Xenomorph aus "Alien", Leatherface aus "Texas Chainsaw Massacre", Jason Voorhees aus "Freitag der 13.", den Predator sowie weitere mehr oder weniger bekannte Kämpfer wie Triborg, Bo’Rai Cho, Tanya, Tremor und Goro. Dazu gibt es einige Skin-Packs und neue Kampfarenen. So kommt man mit XL auf 33 statt 25 Kämpfer. Spielerisch hat sich natürlich nichts Wesentliches verändert. Es gibt einen Story-Modus mit vielen Kämpfen und fast noch mehr Zwischensequenzen, bei dem man in die verschiedenen Rollen schlüpft. Das Ganze ist natürlich nur ein dünner Mantel, um zu prügeln. Ein hollywoodreifes Drehbuch sollte man hier nicht erwarten. Wer mit dem Mortal Kombat-Univerum bisher nichts anfangen konnte, wird auch nach dem Storymode kein glühender Fanboy sein. 

Will man die Story gar nicht erst anpacken, kann man sich durch verschiedene "Türme" schlagen, wo ständig wechselnde Herausforderungen auf den Gamer warten. Daneben kann man natürlich auch einfach einen Charakter anwählen und gegen die KI oder einen Freund loslegen. Die Gewaltdarstellung bei den Special Moves ist hier schon gewaltig, weshalb USK18 durchaus angebracht ist. Der Witz dabei: Die Verstümmelungsdarstellungen sind derart übertrieben, dass das Spiel NICHT indiziert wurde. Klingt komisch, ist aber so.

Wer bisher Mortal Kombat X nicht besitzt, erhält die Gelegenheit, ein umfangreiches Spiel zu erwerben. Die DLCs gibt es für Mortal Kombat X-Besitzer natürlich auch einzeln. Grafisch bekommen wir hier auf jeden Fall Einiges geboten und auch die vielen Charaktere sind hervorragend umgesetzt und haben alle ihre eigenen, zum Teil spektakulären Special Moves.  

Spielerisch sind die Attacken durchaus vielfältig, manchmal hat man jedoch den Eindruck, dass das Knöpfedrücken ein wenig Latenz aufweist. Dennoch: Wer auf Prügelspiele steht, wird hier voll bedient.

 

Fazit: Ultrabrutale Prügelorgie mit großem Update

 

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Review: Unravel (Xbox one)

1031469 LB 231x326 en US  2015-06-08-12-38-28 34137b019ffbf482edfea4910a792707153fea75Yarny ist aus Wolle und zehn Zentimeter klein. Je weiter er läuft, desto mehr wickelt er sich ab. Das ist dumm, schließlich gilt es ausladende Landschaften zu erkunden. Zum Glück findet Yarni auf seinem Weg immer wieder Wollfäden, die er sich einverleiben kann, mit denen er seine Wege verlängern kann. "Unravel" ist ein Independentgame auf Downloadbasis, welches von EA Games vertrieben wird. Die schwedischen Entwickler von Coldwood haben ein Physik-Jump & Run erschaffen, dass in seinen besten Moment an "Little Big Planet" erinnert, in seinem dann aber doch häufig zu linearen Gameplay nicht an den Premiumtitel herankommt.

Dafür ist Yarny aber ein günstiger Geselle und schon für 20 Euro zu haben. Man bekommt eine zu vernachlässigende Hintergrundstory, wunderschön gestaltete Landschaften und einige knackige Jump & Run-Aktionen, bei denen Yarny gar nicht mal selten böse abstürzt oder in irgendwelchen Pfützen ertrinkt.

Die Niedlichkeit von Yarny ist dabei wirklich kaum zu toppen, die Aktionen jedoch, die man ausführen muss, um voran zu kommen (Seil werfen, Schwingen, Springen, Wollbrücken bauen), wiederholen sich recht schnell. Vor allem das Springen ist zu Beginn sehr tricky. Schnell hat man aber die Muster der Rätsel durchschaut. Auch sind die Save-Checkpunkte häufig schlecht gesetzt, so dass man viel zu weit zurück geworfen wird. 

Trotz dieser Kritikpunkte macht Unravel Spaß und versprüht eine wunderbare Atmosphäre, die einen dann doch immer wieder zum Gamepad greifen lässt.

 

Fazit: Wunderschöne Optik, tolle Hauptfigur, leider oft problematische Spielmechanik 

 

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Review: Bowie / Marc Spitz

bowieSein Tod hat die Rockwelt erschüttert: Kurz nach der Veröffentlichung seines neuem Albums hat David Bowie das Zeitliche gesegnet. Musiker, Schauspieler, Pop-Chamäleon, Rock-Ikone - David Bowie war all das und für viele noch unendlich mehr. Eine bereits ältere Biografie wurde nun in aktualisierter Form neu herausgebracht: "Bowie" von Marc Spitz ist nach wie vor das aktuellste und umfangreichste Werk über einen der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts und die einzige derart umfassende Bowie-Biografie auf dem deutschen Markt. Der Autor und Musikjournalist Marc Spitz lässt darin zahlreiche Bowie-Begleiter wie Ex-Frau Angie Bowie, den früheren Manager Kenneth Pitt und Musikerin Siouxie Sioux zu Wort kommen. Die Biografie vermittelt einen Einblick in die Kultur im Nachkriegsengland, in die Mode- und Hippie-Szene des Londons der Swinging Sixties und in das von Sex und Drogen aufgeheizte Milieu der frühen 70er-Jahre, in dem Bowies Kunstfigur Ziggy Stardust das Licht der Welt erblickte. Ergänzt durch zahlreiche Fotografien aus Bowies Leben, wird sein Aufstieg zum internationalen Superstar in den 80er-Jahren spannend nachgezeichnet. Marc Spitz beleuchtet zudem Bowies Status als Ikone der alternativen Kunst- und Kulturszene, erforscht sein Verhältnis zu Themen wie Kunst, Kommerz, Buddhismus und Okkultismus und befasst sich mit seinem komplizierten Familienleben. Marc Spitz, geboren 1969 in New York, ist Musikjournalist, Schriftsteller und Dramatiker. Bekannt wurde er durch Beiträge für Magazine und Zeitschriften wie Spin, Maxim, New York Timesund Nylon. In "Bowie" zieht er alle Register seines Könnens, das Werk ist packend und spannend, obwohl man meint, schon alles über David Bowie zu wissen. Mitnichten. Das Buch schreit geradezu danach, anschließend (oder währenddessen) Youtube nach den vielen geschilderten seltsamen Momenten in Bowies Leben zu durchsuchen. 

Dennoch gibt es auch Kritik: Spitz hat David nie getroffen, dieser lehnte jedwede Zusammenarbeit mit einem Co-Autor einer Biographie zu Lebzeiten ab. Und so kommt "Bowie" manchmal eher wie ein riesengroßes Essay mit zahlreichen persönlichen Sichtweisen des Autors daher.  Das ist nicht immer problemfrei, denn es resultiert in zahlreichen sehr subjektiven Seiten. Auch fehlt völlig unverständlicherweise eine gescheite Discographie. Gerade bei den vielen Querverweisen wäre das beim anschließenden garantierten Youtube-Studium des Lesers absolut notwendig gewesen. Immerhin: Zahlreiche Patzer der Originalausgabe (fehlerhafte Jahreszahlen und Details) wurde ausgemerzt. 

 

Fazit: Guter, wenngleich oft sehr subjektiver Einblick, in das Lebenswerk eines der größten Musikers aller Zeiten

 

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Marc Spitz:
David Bowie – Die Biografie
Aktualisierte Neuauflage, mit einem Vorwort von Hollow Skai
560 Seiten, Broschur, mit zahlreichen Abbildungen
Format 13,5 x 21 cm
€ 14,95 (D) / € 15,40 (A)
ISBN 978-3-8419-0461-4
Auch als E-Book erhältlich

 

 

Review: Die Unantastbaren - Richard Price

die unantastbarenEin ziemliches Bohei wird gerade um "Die Unantastbaren" von Richard Price veranstaltet. Gnadenlos gut, eine Studie der amerikanischen Polizei, ein spannender Krimi - liest und hört es man im Medienschungel rascheln. Das sind ja gleich drei Dinge auf einmal, wir sind hier doch nicht im Ü-Ei-Land. Oder etwa doch?

Richard Price ist so etwas, wie der Shootingstar der Kirmiszene. Bisher hat er neun Romane veröffentlicht, darunter das wochenlang auf der Bestsellerliste ganz oben stehende "Cash". Darüberhinaus ist Price ein veritabler und geschätzter Drehbuchautor. Den Edgar Award heimste er für seine Arbeit an der hoch gelobten TV-Serie "The Wire", für die er monatelang bei der Polizei recherchierte, ein.

Der Mann weiß also, was bei der Big Apple-Police abgeht und das merkt man seiner Arbeit stets auch an. In "Die Unantastbaren" geht es um Billy Graves, einem Cop in New York City. Energy-Drinks und Zigaretten halten ihn wach, während er in den frühen Morgenstunden die Blocks abfährt. Wie seine vier Kollegen hat auch er einen "Unantastbare"«, einen skrupellosen Mörder, den er nie dingfest machen konnte. Als einer der "Unantastbaren" tot aufgefunden wird, beginnt Billy, seine engsten Vertrauten zu verdächtigen. So weit, so spannend. Zumindest klingt es so. In der Tat verliert sich die Geschichte, die in der hier vorliegenden Hörbuchfassung von David Nathan und Oliver Rohrbeck im Wechsel gelesen wird, in losen Enden und verliert immer, wenn sie in Fahrt kommt an Spannung.

Ja, Price ist ein Meister darin, den Alltag der echten Cops zu skizzieren, das tut er auch in diesem Buch.

Doch irgendwo auf dem Weg hat er den Biss verloren, dies mit Hochspannung zu verweben. Auch erschließt sich der stete Wechsel der beiden Sprecher nur schwer, denn auch hier gilt: Rollt der Zug einmal, aktiviert der zweite Sprecher schnell die Handbremse. Krimi-Coitus interruptus könnte man das nennen. Eine verpasste Chance, denn zwei der allerbesten Hörbuchsprecher Deutschlands mühen sich hier vergebloch. "Cash" war fesselnd, "Die Unantastbaren" ist zu langatmig (obwohl das neunstündige Hörbuch gekürzt wurde - oder gerade deshalb?) und enttäuscht durch farblose Charaktere. Ü-Ei-Land ist abgebrannt...

 

Fazit: Zu viele lose Enden, außerdem gekürzt. Schade um die tollen Sprecher

 

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Review: Just Cause 3 (Xbox One)

Just Cause 3 cover artJust Cause 3 ist so eine Art Tropico meets GTA. Nach er sich jahrelang im Einsatz diverser Geheimdienste (Just Cause 2 von 2010) rumgetrieben hat, kehrt Rico Rodriguez auf seine Heimatzinsel zurück. Doch auf Medici herrscht der skrupellose Diktator Sebastiano Di Ravello. Rico - Nationalheld, der er ist - greift ein und hilft den Rebellen Di Ravello zu stürzen. Die Handlungsfreiheit in Just Caus 3 ähnelt stark der von GTA: Ob Rico Autos, Hubschrauber oder Boote klaut, Außenposten des Regimes vernichtet oder die Statuen des Diktator zu Fall bringt - wie Ihr vorgeht, ist eigentlich Eure Sache.

Natürlich gibt es zahlreiche Missionen, die dabei helfen, die Geschichte voranzutreiben. Die Nase vorn gegenüber GTA hat Just Cause 3 in Sachen Zerstörungswut. Nahezu alles kann dem Garaus gemacht werden und das macht Riesenspaß. Weniger Spaß macht die nicht immer direkt Steuerung (vor allem bei Fahrzeugen). Da saust man schon einmal aus Versehen mit seinem Vehikel den Hang herunter oder durch wunderbar aussehende Kornblumenfelder.

Weit über 100 Städte gilt es zurückzuerobern und der Einsatz für das Volks endet stets damit, dass man die Fahne der Rebellen hisst und ein Feuerwerk ausbricht.

Der Che in uns erwacht. Die Missionen sind nicht immer spannend: So nervt beispielsweise die Hatz über die Dächer, um in einer bestimmten Zeit alle Überwachungskameras auszuschalten. Die fehlende manuelle Speicherfunktion ist eine Katastrophe. Es gleicht oft einem Ratespiel, wann denn das Game einen Speicherstand angelegt hat. Angeblich soll dies immer Geschehen, wenn man aus dem Spiel ins Hauptmenü wechselt, doch zuverlässig funktioniert das nicht.Aufgelockert wird die Hollywoodreife Ballerei immer mal wieder durch Spezialeinsätze, etwa der Entführung eines Gasts der Regierung oder die Befreiung einer Geisel. Unterm Strich bleibt eine gandenlose Actionorgie mit kleiner Story und einer wunderschönen Inselwelt. 

 

Fazit: Riesenspaß für Zwischendurch, aber (erneut) kein GTA-Killer

 

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Review: Dream Theater - The Astonishing

DreamTheaterTheAstonishingDie neue Dream Theater-CD "The Astonishing" spaltet die (Musik-) Welt. Diesen Anschein hat man zumindest, wenn man in die einschlägigen Gazetten schaut. Während die Bravo-Fraktion im Metal das Werk der Amerikaner als das "The Wall" der Metal-Generation feiert (was natürlich Unfug ist, da es die Metalmauer schon gibt und "Operation Mindcrime" heißt), weisen die Kritiker am anderen Ende der Skala diese CD als das schlechteste Werk des Traumtheater aus. Die Wahrheit liegt da fast logischerweise in der Mitte, und der RocknRoll Reporter will euch (seine) Wahrheit verkünden.

Wenn man es objektiv betrachtet, liegt das letzte zu 100 Prozent begeisternde und in Gänze überzeugende Opus der Band lange zurück. Im Jahr 1999 beeindruckten Petrucci und Co mit "Scenes from a memorey", einem fast 80 Minuten langen Konzeptalbum, das vor mitreißenden Melodien, ein wenig Kitsch und harten Progmetalklängen nahe an den Genrekönig von Queensryche herankam.

Seitdem kamen viele gute aber wenige überragende CDs heraus, vor allem die Scheiben aus der Endphase von Ex-Drummer Mike Portnoy ärgerten mit tumben New Metal- Einlagen. Härter als zu "Images and Words"-Zeiten braucht die Metalwelt Dream Theater nun wirklich nicht.

"Scenes" war ein mitreißendes Konzeptalbum und - oh Wunder - mit "The Astonishing" geht die Gruppe an die Wurzeln des Meisterwerks zurück. Die neue CD ist ebenfalls ein Konzeptalbum, ebenfalls lang (in der Tat noch viel länger) und hat viel Dramatik (und Kitsch) zu bieten.

Konzeptalbum - das klingt immer toll, denn es heißt, dass eine ganze Scheibe ein Thema, eine Geschichte hat. Weniger toll daran ist allerdings in diesem Fall, dass die Story sich in zwei Sätzen zusammenfassen lässt (Gute Rebellen gegen böse Regierung, Musik als Heilsbringer etc pp). Das ist dünn, sehr dünn, was bei einer musikalischen Spielzeit von mehr als zweieinhalb Stunden ein echtes Problem darstellt. Diese Diskrepanz sollte sogar ein AfD-Wähler erkennen. 

Dennoch: musikalisch machen Dream Theater hier vieles richtig, denn sie bewegen sich. Und zwar weg vom eher stumpfharten "Train of Thoughts"-Metal, hin zu ganz gaaaanz (sagt, ich schon ganz?) großen Melodien. Das wird häufig kitschig, aber ich kann beruhigen: Es handelt sich hier (fast immer) um den guten alten, hochwertigen Kitsch. Den Casablanca-Kitsch und nicht den Schlaflos in Seattle-Kitsch. Apropos Hollywood: Viele Einlagen (vor allem von Keyboard-Magier Jordan Rudess) übertreten die Schwelle zur Filmmusik deutlich. Das äußert sich in vielen Zwischenpassagen, von denen manche Sinn ergeben (etwa das lange Marsch-Intro von "Brother can you hear me" nach der grandiosen Nummer "Three days" ), manche eher überflüssig sind.

34 Tracks, das ist eine ganze Menge Holz und so zündet nicht jeder Funken gleich gut. Vor allem das zweite Drittel der CD jedoch ist absolut erstklassig, zum Ende hin hätte man sich indessen etwas weniger Pomp und mehr schlüssiges Auflösen der Story (*hüstel) gewünscht. So findet sich viel Pathos ("Hymn of a thousand voices"), der musikalisch nicht immer das liefert, was man sich von Dream Theater erhofft. 

Auch wird an manchen Stellen Potential verschenkt. "A life left behind" beeindruckt eine Minute lang mit allerfeinstem Pop-Prog europäischer Prägung, bevor James La Bries Melodielinien aus dem genialen Anfang eine Durchschnittsballade machen. Schade.

Apropos Melodien: Loben muss man Gitarrist John Petrucci zwar nicht für seine leichtmatrosige Hintergrundgeschichte, aber durchaus für seine Soloarbeit an den sechs und sieben Saiten. Petrucci spielt die schönsten und schlüssigsten Soli seit "Scenes from a Memory". Und auch noch ein Wort zu La Brie: Ein wenig vokale Abwechslung hätte dem Album gut getan. Während das sensationell starke Arjen Lucassen Album "The Human Equation" mit James La Brie als Hauptsänger deshalb so geil ist, weil der Barde viele weitere starke Charaktere an seiner Seite hat (Devin Townsend zB), leidet "The Astonishing" ein wenig unter Eindimensionalität, auch wenn Petrucci La Brie durch sein Songwriting immer wieder versucht aus der Komfortzone zu locken. Das gelingt ab und an ziemlich gut (wieder "Three days"), leider haben La Bries zweite und dritte Stimmfarbe immer noch deutlich zu wenig Spielanteile. Nach Abpfiff des Mega-Werkes bleibt man als Zuhörer deshalb kurz ratlos, bevor man wieder von vorne anfängt und neue Perlen findet. Eine CD, die wächst, die aber durchaus 30 Minuten kürzer hätte sein müssen. 

Nach runden sechs Durchgängen würde ich diese Scheibe zu den besten fünf Dream Theater Outputs zählen (nach Images & Words, Scenes, Awake und When dream and day unite) - trotz aller Kritikpunkte.

 

Fazit: Zu langes aber enorm spannend-kitschiges Melodiemassaker

 

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Review: Star Wars Battlefront (PS4)

81LFs9qVbZL. SL1500 Star Wars - ein Name voller Faszination. Die Reihe punktet auf fast allen Feldern, nun soll mit Star Wars Battleground auch die Konsole (zurück-) erobert werden. Die Erwartungshaltung war dementsprechend gewaltig. Und genau daran zerbricht am Ende ein Spiel, das voller atmosphärischer Höhepunkte steckt. Wenn man in einer Eishöhle auf Hoth das unheilvolle Stampfen eines AT-AT spürt, macht man sich als Gamer fast in die Hose. Der Sound stimmt, die Grafik ist genial - und dennoch schafft es Star Wars Battlefront nicht mehr als nur ein Pausenfüller zwischen spielerischen Granaten wie Fallout 4 oder The Witcher 3 zu sein. Was ist das Problem? In erster Linie handelt es sich bei Star Wars Battlefront um einen reinen Multiplayertitel. Eine echte Single-Player-Kampagne gibt es nicht, lediglich einige Trainingsmissionen gegen schwache KI-Gegner können absolviert werden. Das war vorher bekannt und wäre auch nicht allzu tragisch, wenn denn der Multiplayerteil rundum gelungen wäre. Ist er aber nicht. Die Maps sind schwach und langweilen vom ersten Moment an. Dass man bei einem Vollpreistitel noch einen Seasonpass (rund 50 Euro!) kaufen soll, um Zugriff auf mehr Areale zu bekommen, ist schlichtweg lächerlich und unverschämt. 

Dazu gibt es spielerische Probleme: Die Maps sind lieblos (allein grafisch bombastisch) gestaltet, von Taktik muss man gar nicht erst reden, denn im Prinzip ist dies hier ein wildes Umhergeballere ohne Sinn und Verstand. Hätte dieses Spiel nicht das Star Wars-Label auf der Stirn kleben, wäre es sicher kein Topseller geworden (das es trotz der enorm schlechten Bewertungen ist). 

Das Schlimmste ist, wie verschenkt hier das riesige Potential des Franchise aber auch der genialen Grafikengine und der tollen Sounduntermalung ist. Das hätte ein richtiges Feuerwerk werden können, so ist Star Wars Battlefront lediglich eine Fehlzündung.

 

Fazit: Tolle Grafik, super Sound, mega Atmosphäre - aber wo ist das Spiel?

 

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Review: Fallout 4 (PS4)

81QYIG9wfL. SL1500 Was Bethesda anfasst, ist fast immer episch. Fallout 3 ist eines meiner Alltime-Favourites und wurde danach noch von Skyrim übertroffen. Insofern waren die Erwartungen bei Eintreffen des Musters von Fallout 4 nahe zu unermesslich hoch. Die ersten Minuten sind dann auch wie ein Deja-Vu: Fallout 3-Freaks fühlen sich sofort in die Zeit zurückversetzt, die Magie des postapokalyptischen Ödlandes mit einer großen Menge 50er Jahre-Charme ist sofort wieder da. Die große Freiheit zu tun, was immer man auch will, ist zu Beginn etwas überfordernd, wird dann aber zu einer der Stärken des Games. Sobald man aus Vault 111 herausschreitet, ist man allein. Idealerweise führt der erste Weg zurück in das Heimatdorf Sanctuary. Nun gilt es eine Menge Abenteuer zu bestehen, Freunde zu finden, Feinde zu töten, Bündnisse zu schmieden, Häuser zu bauen. Alles getragen vom sensationellem Flair des Spiels. 

Fallout-Neulinge könnten die etwas zähe Menüführung bemängeln. Es gibt zu lange Wege bis man an eine Option im sagenumwobenen Pip-Boy gelangt. Das wirkt ein wenig altbacken. Auch die Grafik ist nicht auf dem neusten Stand der Technik, sondern lediglich eine leichte Weiterentwicklung des PS3-Skyrim-Grafik. Das ist enttäuschend - zu Beginn. Steckt man erst einmal knietief in den Missionen, passiert etwas, was bei Fallout 3 schon eingetreten ist: Sucht. Plötzlich ist die Grafik egal und auch die vorhandenen technischen Probleme (etwa zahlreiche Clippingfehler) treten in den Hintergrund. Mindestens 100 Stunden - wahrscheinlich sogar deutlich mehr, wird man investieren können, bis Fallout langweilt. Die Kämpfe sind zum Teil sehr fordernd, selbst auf der leichtesten Stufe. Hat man aber einmal zarte Bande mit einem Supermutanten geknüpft, folgt er einem durch das Ödland. Und "Strong", so sein werter Name, räumt ordentlich was weg (Foto unten). Nur eine Sache nervt wirklich gewaltig: Um an die Karte zu kommen, muss man immer durch die Tiefen des Pip-Boys. Ansonsten: Das Spiel des Jahres!

 

Fazit: Grandioses Spiel mit einigen wenigen technischen Unzulänglichkeiten

 

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Review: Der Marsianer

Der-Marsianer-The-Martian-PlakatNachdem ich das gutklassige Hörbuch gerade zu verschlungen habe, wagte ich mich dann nun ins Kino: Der Marsianer wurde von Spacekino-Großmeister Ridley Scott umgesetzt. Der Cast ist aufsehenerregend, stehen doch neben Hauptdarsteller Matt Damon viele weitere richtig gute Schauspieler wie Kate Mara, Mackenzie Davis, Jessica Chastain, Jeff Daniels oder Donald Glover auf der Gehaltsliste. Die Story ist schnell erzählt: NASA-Astronaut Mark Watney ist eines von sechs Mitgliedern von Ares 3, der dritten bemannten Marsmission. Als sie am sechsten Tag auf der Oberfläche aufgrund eines heftigen Staubsturms gezwungen sind, die Mission abzubrechen, wird Watney während der Evakuierung von einer Antenne durchbohrt, die dabei den Computer seines Schutzanzuges zerstört, der seine Biodaten überträgt.

Daraufhin wird er von den Teammitgliedern für tot gehalten und sie verlassen den Mars ohne ihn. Er überlebt jedoch und seine Verletzungen erweisen sich als relativ gering, aber da durch den Sturm alle Kommunikationssysteme zerstört wurden, muss sich Watney, der der Botaniker und Ingenieur der Mission ist, ohne eine Möglichkeit der Kommunikation mit der Erde auf seine wissenschaftlichen und technischen Fähigkeiten verlassen, um zu überleben. Die lebenswichtigen Systeme wie der Oxygenator, der Sauerstoff aus Kohlenstoffdioxid produziert, der Atmosphäreregler, der für eine gesunde Luftzusammensetzung sorgt und der Wasseraufbereiter, der aus gebrauchtem wieder sauberes Wasser herstellt und somit einen Kreislauf erzeugt, sind noch vollkommen intakt. Über all seine Tätigkeiten führt er ein Logbuch, falls sein Leichnam von zukünftigen Archäologen entdeckt werden würde. Es kommt, wie es kommen muss, die NASA checkt, dass Watney lebt und schickt die riskanteste Rettungsmission aller Zeiten auf den Weg.

Der Film schafft es, den Humor der Buchvorlage gut rüberzubringen, ja viele Dialoge sind erfreulicherweise 1:1 übernommen worden. Matt Damon spielt endlich einmal aus, was er scheinbar zu leisten im Stande ist. Sehr erfreulich. Die 3D-Effekte sind gut, aber der Film funktioniert auch in 2D nicht viel schlechter. Ärgerliches gibt es natürlich ebenfalls: Einige eklatante Dinge fehlen, etwa der Sandsturm, der am Ende beinahe die Rettung verhindert. Besonders spannend ist da nämlich, wie Watney es schafft, diesen zu umfahren. Zahlreiche Berechnungen hat er dafür angestellt. Viele viele brillante Lösungen Watneys werden im Film zusammengerafft, so dass sie wirken, als hätte ein Sechsjähriger das auch schaffen können. Etwas dünn. 

Das Ende ist von Scott komplett neu erfunden und völlig überflüssig. Das Buch schließt schlicht und einfach mit der Rettung des Astronauten. Kurz und gut. Ebenfalls ein echter Makel: Es wird nicht wirklich herausgearbeitet, dass die Chinesen ihre Trägerrakete nur deshalb rausrücken, weil ihnen versprochen wird, einen ihrer Leute auf die nächste US-Marsmission mit zu nehmen. 

Unterm Strich bleibt ein hübscher Blockbuster, der durch seine Lockerheit besticht, aber einem Epos wie "Interstellar" bei weitem nicht das Wasser reichen kann. Wer das Buch nicht kennt, wird sehr erfreut über "Der Marsianer" sein. Buchfreunde finden hier leider den ein oder anderen Wermutstropfen. Ziemlich übel dabei: Es ist NICHT die Kommandantin der Hermes, die zu Watney ins All steigt. Welcher Kommandant würde das tun? Autor Andy Weir weiß, dass das hanebüchener Unfug ist. Und deshalb retten im Buch Beck und Vogel den gestrandeten Kollegen. Noch was: Die Massenszenen in China, den USA oder London (wo sich alle wie Bolle über die Rettung eines US-Amerikaners freuen) wirken billig. So billig wie die grenzenlose Völkerverständigung in Armageddon. Auch das hat die Vorlage so nicht gewollt.

 

Fazit: Gute Hollywood-Unterhaltung mit Problemen für die Fans der Buchvorlage

 

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Review: Der Marsianer (Hörbuch)

768 2751 161443 xlDas Buch "Der Marsianer" von Andy Weir hat seit seiner Veröffentlichung im Jahr 2011 eine große Menge Staub aufgewirbelt. Die Geschichtes eines "Schiffbrüchigen" auf dem Mars ist in der Sci-Fi-Welt so gut angekommen, dass Regie-Großmeister Ridley Scott den Stoff (leider mit dem langweiligen Matt Damon in der Hauptrolle) verfilmt hat und nun in die Kinos hievt. Warum man ausgerechnet den Schauspieler auf das Cover der Hörbuchfassung packen musste... Marketing ist was ganz Schlimmes.
Die Story ist schnell erzählt: NASA-Astronaut Mark Watney ist eines von sechs Mitgliedern von Ares 3, der dritten bemannten Marsmission. Als sie am sechsten Tag auf der Oberfläche aufgrund eines heftigen Staubsturms gezwungen sind, die Mission abzubrechen, wird Watney während der Evakuierung von einer Antenne durchbohrt, die dabei den Computer seines Schutzanzuges zerstört, der seine Biodaten überträgt.

Daraufhin wird er von den Teammitgliedern für tot gehalten und sie verlassen den Mars ohne ihn. Er überlebt jedoch und seine Verletzungen erweisen sich als relativ gering, aber da durch den Sturm alle Kommunikationssysteme zerstört wurden, muss sich Watney, der der Botaniker und Ingenieur der Mission ist, ohne eine Möglichkeit der Kommunikation mit der Erde auf seine wissenschaftlichen und technischen Fähigkeiten verlassen, um zu überleben. Die lebenswichtigen Systeme wie der Oxygenator, der Sauerstoff aus Kohlenstoffdioxid produziert, der Atmosphäreregler, der für eine gesunde Luftzusammensetzung sorgt und der Wasseraufbereiter, der aus gebrauchtem wieder sauberes Wasser herstellt und somit einen Kreislauf erzeugt, sind noch vollkommen intakt. Über all seine Tätigkeiten führt er ein Logbuch, falls sein Leichnam von zukünftigen Archäologen entdeckt werden würde.

Wir haben es hier also mit einer Art Robins Crusoe im Weltall zu tun. So weit, so unspektakulär, doch Weir schafft es trotz (oder wegen?) langen Technik-Monologen eine gespannte Atmosphäre aufzubauen (also auch wie Daniel Defoe es tut). 

Das bei Random House erschienene Hörbuch wird gelesen von Richard Barenberg, der es nicht immer schafft, die Faszination des der Buchvorlage aufrecht zu erhalten,doch über weite Strecken dem "Ton" des Romans gerecht wird. Die Lockerheit Watneys transportiert Barenberg sehr gut, manchmal ist er mir aber einfach auch zu unaufgeregt. Die mehr als zwölf Stunden dauernde Hörbuchfassung ist ungekürzt und durchaus empfehlenswert.

 

Fazit: Gute Hörbuchfassung eines tollen Romans

 

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Review: Iron Maiden - The Book of Souls

Book of Souls Iron MaidenDoppel-CD, 92 Minuten? Feuchter Traum? Nein, die neue Maiden ist so lang und wurde bereits vor der Bekanntgabe der Krebserkrankung von Frontsirene Bruce Dickinson fertiggestellt. Nun, da er scheinbar genesen ist, darf der Rundling in die Shops gestellt werden. Zuvor gab es bereits eine große Ankündigung, dass die Band mit einem neuen Jumbo-Jet mit Kapitän Bruce am Knüppel die Welt bereisen und bespielen wird. Die Vorfreude auf "The Book of Souls" konnte deshalb nicht größer sein, doch können Maiden über mehr als eineinhalb Stunden glänzen? 

Der Opener "If eternity should fail" macht schon einmal einen exzellenten Eindruck, ist untypisch für das erste Stück einer Iron Maiden-Scheibe. Eher im Midtempo verwurzelt grooven sich die Jungfrauen mit einem großartig singenden Dickinson durch fast neun Minuten. Alle Trademarks der Band sind da, orientalische Harmonien versüßen den Mittelteil und der Refrain ist ein absoluter Ohrwurm, der spätestens nach dem zweiten Mal zündet. Jetzt hauen die Briten die Single "Speed of Light" raus und die folgt dem Maidenschen Album-Schema seit 2000, welches besagt, dass die Single schnell und einfach zu sein hat. Kein "Run to the Hills", aber auch weit entfernt von einem schlechten Song. Danach geht es kurz bergab: "The great unknown" wird auch nach fünfmaligen Hörens nicht zur Übernummer. 

Dafür hauen Harris und Co anschließend mit "The Red and the Black" eine starke Nummer in die Rillen, bei deren Wohohoho-Teil man die Massen in den ausverkauften Stadien der Welt mitsingen zu hören vermag. Hat man sich erst einmal an die konsequent durchgesetzte Strophen-Gesangslinie gewöhnt (hier singt Bruce quasi analog zum Gitarrenlick), hält der 13-Minüter von Gitarrenduellen bis geilem Refrain eine ganze Menge zum Entdecken bereit. 

"When the River Runs deep" startet mit einem Lick, das auch auf "Seventh Son" sich hätte entladen können, bevor der Song richtig Fahrt aufnimmt und sich so zu einem der schnellsten Tracks der CD entwickelt (nicht ohne eine Maiden-typische Halftime Bridge natürlich).

Der Titeltrack ist mit seinen zehn Minuten fast zu kurz, scheint "The Book of Souls" doch hell und schön in der Herbstsonne der Maiden-Karriere. Klar, das Intro ist direkt stark an "The Talisman" vom letzten Album "The Final Frontier" angelehnt, doch danach zeigen unsere Lieblings-Jungfrauen, was sie im hohen Alter songwriterisch noch so auf dem Kasten haben. Wieder hören wir orientalische Skalen über langsam groovenden Rhythmen, haben einen Hauch "Powerslave" im Ohr und sind beeindruckt von Dickinsons Interpretation. Im letzten Drittel gibt die Band Gas und schafft es auch hier, dass 10.30 Minuten einem nicht zu lang vorkommen.

CD zwei startet mit "Death or Glory" in Gedenken an Kriegsnummern wie "Aces High" furios, kann einen tollen Refrain vorweisen, das Rennen gegen Trooper und Co aber naturgemäß nicht gewinnen. "Shadows of the Valley" ist eine Füllernummer, schade.

Besser macht es "Tears of a clown". Starker Refrain, die Vibes des Midtempo-Rockers erinnern an Dickinson-Werke wie "River of no Return" oder "Coming Home", der Soloteil ist einer der besten und mitreißendsten des gesamten Albums. Mit "The Man of Sorrows" holen Iron Maiden noch einmal Luft in Form einer hübschen Ballade, bevor der Höhepunkt des Albums einem die Kinnlade aufstehen lässt.

"Empire of the Clouds" ist ein absolutes Epos, das jeden Cent der CD alleine Wert ist. Die (wahre) Geschichte um das Luftschiff R101, einem Monster von Zeppelin, in den die ganze Titanic gepasst hätte (!) und das 1930 in Flammen aufging, ist echtes Prog-Material, ohne dass man je vergessen kann, welche Band hier spielt. Der ungewöhnliche Klavierbeginn und das später einsetzende Orchester täuschen nicht darüber hinweg, dass alle Maiden-Trademarks in den 18 Minuten ausführlich zum Tragen kommen. Wir reden hier von einem Song, den weniger vertrackte Dream Theater (mit besserem Sänger) oder frühe Marillion (mit dickeren Eiern) zusammen geschrieben haben hätten können. Wir reden hier von einem absoluten Brillanten in Maidens Karriere, der so manch schwächeren Track auf "The Book of Souls" vergessen lässt. 

 

Fazit: Drei Songs weniger und die Höchstpunktzahl wäre vorstellbar gewesen

 

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Review: At dawn they sleep / Christian Krumm

at-dawn-they-sleep-roman-coverIrgendwie vermisse ich die Zeiten, in denen man als Metal-Hörer entsetzt angeschaut wurde. Metal ist Mainstream geworden, Motorhead und Iron Maiden Shirts verkaufen sich bei H&M wie geschnittenes Brot und kaum ein Dokumentarfilmer mehr, der nicht schon einmal irgendwas mit lauter Musik gedreht hat. Kurzum: Metal ist gesellschaftsfähig geworden. Christian Krumm hat davon ab aber immer gerne den Blick auf den Rand, die Szene, den Untergrund gerichtet. In "Kumpels in Kutten" (Kurz-Review HIER) etwa zeichnet er ein liebevolles Bild des Metals im Ruhrpott. Mit "At dawn they sleep" hat er sich an ein anderen literarisches Genre ausgesucht: den Roman.

Der Titel ist natürlich von Slayer geliehen. Was mich vor der Lektüre des Buches gewundert hat:Im Internet finden sich fast ausschließlich nichtssagende Promotexte zu "At dawn they sleep", in denen man nicht einmal Ansätze der Geschichte erfährt. Da fragt man sich natürlich gleich, wie sich so ein Roman verkaufen soll. Verdient hätte es Krumms (Roman-) Erstling nämlich durchaus.

Es geht um den Autor Alioscha, der vom Metal unbefleckt ist und einen Bericht über ein Metal-Konzert schreibt. Das ist quasi die Initialzündung, in die Szene reinzugleiten. Er trennt sich von seiner Freundin und findet eine Metalbraut (Maria), die ihm den Weg in die Szene ebnet und dort mehr oder weniger begleitet. Dort trifft er auf die Band "Dawn of Devastation", die er fortan schreibend begleitet.Er erlebt Höhen und Tiefen, Liebe und Streit innerhalb der Band ("Almost Famous" ick hör dir trapsen). Viel mehr verrate ich dann aber doch nicht an dieser Stelle. Es ist auch eine Menge los in "At dawn they sleep". Manchmal zu viel. Es gibt wahnsinnig viele Nebenplots und Charaktäre, die mal mehr, mal weniger schön ausgeleuchtet werden. Rein vom schriftstellerische Aspekt macht Krumm einen guten Job, schreibt flüssig aber nicht unterfordernd.

"At dawn they sleep" ist mitnichten ein Metalroman, eher ein Liebesroman, der zufällig im Metalgenre spielt, ein Roman über Beziehungswirrwarr, Freundschaften und Veränderungen, ein Roman, der es aber nicht schafft, die ganzen Klischees des Metal auszulassen, ob sie nun wahr sind oder nicht.

Letztlich trägt Christian Krumm in seinem Buch auch zur Schau, das Metal etwas ganz Besonderes ist, eine Musik, die über allen anderen zu ragen vermag, die Emotionen vermittelt, wie keine andere Musikrichtung. Hier möchte man den Autor in den Arm nehmen und brüderlich ins Ohr flüstern: Es wäre so schön, wenn das noch so wäre (man siehe meine Einleitung oben). Zum Roman gibt es übrigens einen Soundtrack, für den 22 Bands jeweils einen ihrer eigenen Songs zur Verfügung gestellt haben (etwa Darkness, Crossplane, The Very End, Gloryful oder Path Of Golconda). 

 

Fazit: Netter Pausenschmaus im Metalgewand

 

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Review: Frank Turner - The Road beneath my feet

ftbookTo the east, to the east, the road beneath my feet. To the west, to the west, I haven’t got there yet.

To the north, to the north, never to be caught. To the south, to the south, my time is running out

 

... heißt es im Frank Turner-Song "The road". Seine Zeit läuft aber hoffentlich noch lange nicht ab, hat er sich doch vom Post-Hardcore-Rabauken bei "Million Dead" zum mitreißenden Solo-Act an der Akustikgitarre (der sich zum Glück auf kein Genre festlegen mag - siehe HIER) entwickelt. Turners Lyrics gehören zu den besten. Nicht weil sie immer sehr tiefschürfend und hintergründig sind, sondern er die Gabe hat, seine Gefühle und Erlebnisse auf den Zuhörer zu projizieren. Nicht selten fängt einem der Gedanke, dass der Engländer mit der Klampfe doch genau das singt, was man selbst so oft und zu oft erlebt hat.

Nun schreibt er auch noch und macht im Vorwort seines Buches "The Road beneath my Feet" sofort klar, dass er - obwohl eine echte Leseratte - sich das nie hätte träumen lassen.

Und, wie Frank Turner so ist, macht er auch das hier anders als Genrekollegen. Diese Autobiographie beschreitet nicht den klassischen Weg, sondern nimmt den Leser mit auf Tour. Franks Tour. Anhand von zahllosen Konzerten lässt er tief blicken. In sein Leben nämlich, sein Songwriting, manchmal in seine Seele. Das Buch beginnt mit dem letzten "Million Dead"-Gig im The Joiners Arms in Southampton 2005 und endet (zumindest dieses Buch) im McEwan Ballroom in Calgary/Kanada 2012.

Dazwischen liegt die Reise eines sensiblen Musikers, die nach den durchaus bemerkenswerten Erfolgen im Post-Hardcorebereich, steinig aber doch zielstrebig zu einem der wichtigsten englischen Folkmusiker (wenngleich das Genre zu eng für Turner scheint) führt. 

Frank Turner legt erfreulich wenig wert auf die üblichen Sex & Drugs & Rock 'n' Roll-Lobhudeleien und gibt sich immer selbstkritisch, räumt schlimme Drogennächte ein, berichtet von grandiosen Partys und Erlebnissen in der ganzen Welt.

Was auf eigene Faust per Zug durch Europa von Clubgig zu Clubgig beginnt, kulminiert irgendwann in der Wembley-Arena. Spannend sind vor allem die Anfänge, die wirklich viel über Frank Turner verraten.

Alle wichtigen Songs spielen eine Rolle, schließlich plaudert Frank leicht und locker über den Schaffungsprozess, dem oft mit dem Lied eng verbundene Ort und seinen eigenen Seelenzustand. Das Buch ist auch auf englisch recht leicht zu lesen, wirkt aber dennoch nie platt.

Für Frank Turner-Fans, die nicht bereits wirklich jede Nuance aus seinem Gesamtwerk herausgepresst haben (von diesen Menschen gibt es mittlerweile erstaunlich viele), die wissen wollen, was es mit der "Nambucca-Show" aus "The Ballad of me and my friends" auf sich hat, die sich schon immer einmal gefragt haben, über wen "Dan's Song" handelt, für die ist dieses Buch eine Pflichtlektüre. Wer eine klassische Biographie erwartet, sollte die Finger von "The Road beneath my Feet" lassen. Im Song "The Road" heißt es weiter: 

 

To the heart, to the heart there's no time for you to waste
You wont find your precious answers now by staying in one place

 

... und genau darüber handelt dieses Buch. Kaufen!

 

 

Fazit: Mit Frank Turner auf Tour - spannend und locker zu lesen

 

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Mehr zu Frank Turner haben wir HIER (Shuffle with...) und HIER (Interview)! Fotos gibt es HIER!