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Dienstag September 25, 2018
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58 items tagged "Kritik"

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Review: Race to Resurrection - Motorjesus

Motorjesus RaceToRessurection Artwork400x400-400x400Platz nehmen im Cockpit, das Anschnallen nicht vergessen, denn was jetzt kommt, könnte zu einer ernsthaften Benzinabhängigkeit in Verbindung mit exzessivem Geschwindigkeitsrausch führen: Motorjesus treten auf "Race of Resurrection" das Gaspedal derart durch den Fahrzeugboden, dass zu "befürchten" ist, man könnte die Mönchengladbacher in Zukunft nur noch auf den ganz großen Bühnen aus weiter Entfernung über Stadionmonitore bestaunen. Was lange als Geheimtipp für kleine Racetracks galt, schickt sich an, in Kürze ins Formel 1-Geschäft einzusteigen. Dabei wurde das Kraftstoffgemisch gar nicht groß verändert. Nach dem Line-up-Wechsel (Gründungsmitglied Guido Reuss ist wieder raus, ebenfalls Bassist Roman Jasicak) haben Andy Peters (git), Chris "Howling" Birx (voc) und Oliver Beck (drums) den neuen Boliden in der Garage zu dritt eingehämmert. 

Viele Momente, die auf "Race of Resurrection" für Begeisterung sorgen, waren schon immer Bestandteil des Motorjesus-Sounds. Das überaus fette "King  Collider" hätte auch auf dem Überalbum "Wheels of Purgatory" sein können zum Beispiel. Dennoch präsentiert sich das Songwriting dieses Mal eine Spur reifer, ausgefeilter, ohne die angeborene Rotzigkeit aufgeben zu müssen. Der Opener "Tales  From  The  Wrecking  Ball" etwas ist ein nahezu perfekter Motorjesus-Song, der mit dem chirurgischen Einsatz der Twingitarren fast alle anderen Fahrer im Metalfeld bereits nach der ersten Runde des Rennens im Staub hinter sich lässt.

Und so rocken sie sich Runde um Runde durch den 13-Tracks starken Rundling, ohne auch nur einmal in Gefahr zu raten, die Pole Position des deutschen Hardrocks abzugeben. Ja, Birx und Co brausen derart souverän durchs Rennen, dass - und hier ist das Überraschungsei der CD versteckt - sie es sich erlauben können, kurzfristig vom Gas zu gehen. Was dabei herauskommt, ist mit der grungigen Powerballade "The  Infernal" schlichtweg einer der Top 3-Songs der Bandgeschichte. Mehr Seattle, mehr 90er-Vibe ist aus Mönchengladbach, ja aus ganz Deutschland, nicht herauszupressen. Gibt's was zu meckern? Wenig. Vielleicht ist "Speedway Sanctuary" etwas beliebig und fällt leicht ab gegenüber Megatracks wie die bereits genannten, aber auch "The Storm", "Re-Ignite" oder "Running out of time" (geiler Refrain). Ansonsten ist alles perfekt geölt und der Wagen läuft wie geschmiert. Damit ein Rennwagen geil ist, muss er auch dröhnen und tönen und hier hat Dan Swanö von Unisound bei der Produktion (wieder) grandiose Arbeit geleistet. "Race of Resurrection" drückt ohne den Hörer zu erdrücken. 

 

Tipp: Motorjesus feiern die Veröffentlich von "Race to Resurrection" am Freitag, 15.Juni, im Essener Turock mit ihrer Releaseshow.

 

Fazit: Fetter Racer mit einer Seattle-Über-Mega-Powerballade (im besten Sinne des Wortes)

 

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Review: Queen of Time - Amorphis

amorphis-queen-of-timeEine der erfolgreichsten finnischen Metal-Bands kehrt mit einem überraschenden Album zurück. In ihrer fast drei Dekaden andauernden Bandgeschichte hat „Amorphis“ einige Metamorphosen mitgemacht. Vom Death-Metal wandten sie sich irgendwann mehr dem Progressive-Metal zu und verstrickten finnische und arabische Elemente in ihren Songs. Diese findet man auch vermehrt in ihrem zehn Tracks starken "Queen of Time" wieder.

„The Bee“ berauscht durch die zahlreichen harmonischen Wechsel und die vielen Arabesque-Einlagen mit der Gitarre. Der Mix aus Growls und den cleanen und starken Chorus-Parts wird begleitet von choralem Gesang und den harmonischen Wechseln. Was eine Biene mit Metal zu tun hat, ist mir leider trotzdem nicht klar.

Es ist mir bewusst, dass das Wort „episch“ in der Vergangenheit zu inflationär gebraucht wurde, jedoch vergebe ich dieses Prädikat an „Wrong Direction“. Extrem melodisch, sehr eingängiger Chorus, und das Gefühl dabei den finnischen Wind entgegen geblasen zu bekommen – am Ende endlich noch ein paar Growls dazu - Danke!

„Amongst Stars“ kommt ähnlich melodisch und noch gefälliger daher. Die härteren Growl-Parts werden dann durch die Vocals von Anneke von Giersbergen verschnörkelt. Bisschen mehr Dampf hätte schon sein dürfen.

Sind die Finnen bei „Golden Elk“ vielleicht fremdgegangen und haben sich an einem Hamburger-Schiffshorn bedient? Spaß beiseite, der Track geht gut nach vorne. Die arabischen Elemente mit den härteren Vocals haben für mich Ohrwurm-Potenzial. Das Riff will man direkt nachklimpern. Mit „Heart Of A Giant“ liefern die Finnen einen absoluten Live-Intro-Track. Ich wiederhole: pure finnische Epik. Mal sehen welchen Einstieg die Finnen dann beim diesjährigen Auftritt bei Wacken aus dem Hut zaubern. Insgesamt drei Shows haben sie 2018 in Deutschland.

Insgesamt bleiben Amorphis in „Queen Of Time“ ihrer Linie treu. An mancher Stelle dürften Sie gerne wieder härtere Seiten aufziehen.

 

Fazit: Album Nummer 13 ist alles andere als eine Unglücksplatte

 

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Review: Peace - Graveyard

graveyard-peaceGraveyard sind zurück mit ihrem fünften Album. Die Schweden zeigen auf „Peace“, dass die Reunion die richtige Entscheidung war. Volle Bärte und lange Haare sind zwar kein Garant für harten Rock, aber bei den Jungs greift das Klischee. Joakim Nilsson haut einem seine verrauchte Stimme um die Ohren, wie wir es von ihm gewohnt sind. Und das Album ist sogar auf farbigem Vinyl erhältlich – da schlägt mir das Herz schon höher. Wer sich schon mal mit Motörhead und Iron Maiden die Bühne geteilt hat sollte es auch besser Faustdick hinter den Ohren haben. Die Schweden nehmen sich für ihre Produktion viel Zeit für Kreativität und das Abstimmen untereinander – mit Erfolg.

Mit „It Ain’t Over Yet“ liefert die Platte einen starken, dynamischen Einstieg. Und das war erst der Anfang des Albums. Kann es da noch viel besser werden? Mit dem zweiten Track „Cold Love“ wippt wohl auch der kritischste Hörer spätestens mit dem Kopf mit. Starkes Gitarrenintro mit der Gibson ES-330 gepaart mit Nilssons kernigen Vocals. Eine kleine Verschnaufpause gibt es dann bei „See The Day“ und „Bird Of Paradise“. Hier kommt Truls Mörck, der Bassist zu Wort. Zugegeben: gegen das massive Stimmvolumen von Joakim Nilsson kommt er nicht wirklich an.

Doch nach jedem kleinen Päuschen wird wieder gerockt was das Zeug hält, wie auch in „Please Don’t“ wo selbst mir die oftmaligen Vergleiche mit Led Zeppelin oder Black Sabbath in den Kopf steigen. Wenn sich dann noch die Orgel in die Harmonien verirrt, bin ich vollkommen in den 70ern gefangen.

Der Track „A Sign Of Peace“ kommt mit so viel Druck daher, dass man am Ende alles andere als Frieden empfindet. Doch mit dem letzten Part auf „Peace“ lässt Graveyard mit „Low (I Wouldn’t Mind)“ keinesfalls einen trostlosen Friedhof (engl. Graveyard) zurück. Die Platte ist vielseitig, lebendig und trotz einiger bekannter Züge nicht nur ein Mix aus dem, was das Ohr schon kennt. Beim Album bleiben sie wieder ihrer 40-Minuten Kassettenlänge treu und hinterlassen am Ende die Hoffnung, dass das nächste Album bitte nicht so lange auf sich warten lässt.

 

Fazit: Graveyard sind vom Friedhof zurückgekehrt und lebendiger denn je

 

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Review: Ayreon: Ayreon Universe - Best Of Ayreon Live

ayreon-ayreonuniversebestofEs war vielleicht DAS Liveevent 2017: Der niederländische Multiinstrumentalist Arjen Lucassen hat an gleich drei Tagen im Tilburger Poppodium sein Ayreon-Projekt auf die Bühne gezaubert. Die Bekanntgabe der ersten Show damals hatte zur Folge, dass der Andrang derart riesig war, dass zwei weitere Gigs in Tilburg nachgeschoben wurde. Wer dabei war, erlebte einen faszinierenden, fast dreistündigen Abend, an dem Arjen gleich 16 unterschiedliche Stimmen, die in den letzten 20 Jahren unter dem Ayreon-Dach auf CD gesungen haben, präsentierte. Der Meister selber -Bühnenscheu wie eh und je - ließ die exzellenten Musiker machen und kam lediglich gegen Ende der Show für einige warme Worte (inklusive tränenerstickten Danksagungen) und einige Gitarrenriffs on Stage. 

Die Konservenaufnahme dieser drei Abende liegt nun in Bild und Ton vor und macht doch einigermaßen Eindruck.

Gefilmt mit 30 Kameras hilft die Blu-Ray über den Schmerz, diese Shows verpasst zu haben, einigermaßen hinweg. Ton und Bild sind erstklassig (das gleiche gilt für die CDs) und die musikalische Qualität ist atemberaubend.

Wer da alles auf der Bühne stand, der helle Wahnsinn: Floor Jansen (Nightwish), Russell Allen (Symphony X), Damian Wilson (Threshold), Hansi Kursch (Blind Guardian), Tommy Karevik (Kamelot), Marco Hietala (Nightwish), Jonas Renkse (Katatonia), Mike Mills (Toehider), Anneke van Giersbergen (The Gentle Storm), Marcela Bovio (Stream of Passion), Irene Jansen, Robert Soeterboek (Star One), Edward Reekers (Kayak), Jay van Feggelen, Magali Luyten (Nightmare) und Lisette Marije (Scarlet Stories) - das ist die Liste der Vokalisten auf CD/Blu-Ray. Unterstützt wurden sie von einer ausgezeichneten Band, bestehend aus Ed Warby (drums), Johan van Stratum (bass), Marcel Coenen (lead guitar), Ferry Duijsens (guitar), Joost van den Broek (keyboards), Ben Mathot (violin), Jeroen Goossens (flutes, woodwinds) und Maaike Peterse (cello).

Im Repertoire findet sich ein buntes Potpourri aus allen Ayreon-Episoden. Auch da gibt es nicht viel zu meckern, wenngleich ich persönlich etwas mehr von "Human Equation" gehört hätte (hier ist lediglich "Love" vertreten). Aber man kann nicht alles haben.

Diese CD und auch die Blu-Ray ist ein klarer Volltreffer.

 

Fazit: Tolles Dokument eines noch viel tolleren Konzerterlebnisses

 

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Tracklist:
1 Prologue
2 Dreamtime
3 Abbey Of Synn
4 River Of Time
5 The Blackboard
6 The Theory Of Everything
7 Merlin's Will
8 Waking Dreams
9 Dawn Of A Million Souls
10 Valley Of The Queens
11 Ride The Comet
12 Star Of Sirrah
13 Comatose
14 Loser
15 And The Druids Turned To Stone
16 The Two Gates
17 Into The Black Hole
18 Actual Fantasy
19 Computer Eyes
20 Magnetism
21 Age Of Shadows
22 Intergalactic Space Crusaders
23 Collision
24 Everybody Dies
25 The Castle Hall
26 Amazing Flight in Space
27 Day Eleven: Love
28 The Eye Of Ra

Review: Sticky Finger - Joe Hagan

51YoSyImTCL. SX323 BO1204203200 Wer eine Biographie in Auftrag gibt, rechnet am Ende des Tages meist damit, dass sie ihm ohne Vorbehalte gefallen wird. Ist das dann nicht der Fall und das Werk wird dennoch veröffentlicht, wie es ist, werde zumindest ich besonders neugierig. Genau das ist nämlich mit Jann Wenners Biographie geschehen. Wer Jann Wenner nicht kennt, hat seine Popkultur-Hausaufgaben nicht gemacht. Wenner hat mit dem Rolling Stone-Magazin die Gegenkultur in den 70ern begleitet, hat Annie Liebovitz groß heraus gebracht, war "best friends" mit John Lennon, bevor dieser bis zu seinem Tod nicht mehr mit Wenner gesprochen hat. Das Rolling Stone-Magazin hat Hunter S. Thompson schreiben lassen, den Gonzo-Journalismus etabliert, Lester Bangs und Cameron Crowe in die Welt gelassen (Letzterer hat seine persönliche Geschichte als junger "Rolling Stone"-Reporter später im grandiosen Film "Almost Famous" erzählt), hat Amerika in einer Ausgabe auf links gedreht, um es in der nächsten wieder auszukotzen.

Kurzum: Wenner hat eine Ikone der Popkultur erschaffen. Wenner ist eine Ikone der Popkultur, des Journalismus. Das ist nun mehr als 50 Jahre her. Im November 1967 startete sein Heft mit einem Foto seines Idols John Lennon auf der Titelseite und den Abonnenten wurde ein Clip beigelegt, mit dem man Joints halten konnte. The times they are a changin...

1976 erreichte das Magazin eine Auflage von einer halben Million Exemplare, 1985 krachte es durch die Millionengrenze. Dann kommt es, wie es kommen musste: Die Dekadenz hält Einzug. Dicke Häuser, koksschwangere Reisen in schicken Jets, Karibikurlaub mit Mick Jagger, Exzesse im Studio 54. Stoff für ein gewaltiges Buch also. Ein Buch, das Joe Hagan schreiben sollte. Als dritter Autor, denn zwei waren zuvor schon an Wenner gescheitert. 

Hagan hat für das Wall Street Journal, den New York Observer und auch für den Rolling Stone gearbeitet und Features und investigative Stücke über Hillary Clinton, Henry Kissinger, Dan Rather, Goldman Sachs und die Bush-Familie geschrieben. Trotzdem fand er selber nicht, dass er erste Wahl für eine Biographie über seinen Ex-Chef sein könnte. Doch es kam genau so.

Lange wurde gerungen: Wenner wollte Einblicke, wollte vor allem über sein Sexleben nichts lesen, was ihm nicht gefallen könnte (Wenner hatte seine Homosexualität 30 jahre lang verheimlicht), doch Hagan rang ihm Autonomie ab. Hagan unterhielt sich hunderte Stunden mit Wenner, mit dessen Freunden, ja mit den Stars, die den Rolling Stone zum Rolling Stone gemacht hatten. Am Ende kam eine Biographie heraus, die Wenner ablehnt, die aber faszinierender nicht sein könnte. 

Seien es kleine Geschichten über die Stars, seien es journalistische Höhepunkte in den Blättern, seien es private Schlüpfrigkeiten, viel Sex, mehr Drugs, am meisten Rock 'n' Roll - Sticky Fingers, erschienen im Rowohlt-Verlag, ist ein durch und durch gelunges, wortstarkes (mehr als 600 Seiten) Werk, das auch (oder vor allem) jüngeren Lesern erzählt, welchen Stellenwert die Rockmusik in den 60er und 70er Jahren hatte und wie sehr sie (an der Seite stets der Rolling Stone) die Gesellschaft geprägt hat. Wenner hätte wissen müssen, dass sein Narzissmus immer wieder durchbrechen muss, aber wer will sich selber schon so dargestellt sehen? Im Vorwort schreibt Hagan, dass Jann Wenner ein Barbar sei, "dessen Gier nach Geld, Drogen und Sex drohte, seinen scharfen Intellekt zu überholen". Die Analyse scheint stimmig und prinzipiell ist diese Biographie mit dem Wort "schonungslos" unzureichend beschrieben. "Sticky Fingers" ist eine Buch gewordene Ausgabe des Rolling Stone Magazin - voller spannender Geschichten, schillernden Erlebnissen, Topstars, die sich die sprichwörtliche Klinke in die Hand geben. Jann Wenner würde es abfeiern - wenn er nicht im Mittelpunkt all der Dramen stehen würde.

 

Fazit: Ein Buch wie die Bibel (der Popkultur) - voller Sex, Drugs, Rock 'n' Roll und Narzissmus 

 

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Review: Sog / Yrsa Sigurdardóttir

61JQ0fnB7yL. AA300 Hart, härter, Isländer: Was Yrsa Sigurdardóttir im zweiten Band rund um Kommissar Huldar hoffentlich nur aus den Fingern gesaugt hat, ist starker Tobak - und damit beste Unterhaltung: Der frisch degradierte Kommissar Huldar hatte keinen guten Start bei seiner Zusammenarbeit mit der Kinderpsychologin Freyja. Eigentlich liebt er sie, aber bekommt das nicht so richtig rübergebracht. Dennoch zieht er sie bei den aktuellen Ermittlungen wieder zurate: In Reykjavik wird nach zehn Jahren eine in einen Grundstein eingemauerte Zeitkapsel mit Briefen von damaligen Schülern gehoben. Unter den Briefen findet sich auch eine Nachricht, die akribisch die Initialen zukünftiger Mordopfer auflistet. Als kurz darauf zwei Hände gefunden werden, die ihren Besitzern bei lebendigem Leib abgetrennt wurden, ist klar, dass diese Nachricht aus der Zeitkapsel tödlich ernst zu nehmen ist. Es entfaltet sich ein schockierender Fall, der einmal wieder mehr zeigt, dass in Island die ganz Harten leben. Ganz gleich, ob Bösewicht oder Bulle - es geht rau zu auf der kalten Insel. Autorin Yrsa Sigurdardóttir nimmt sich neben der bloßen Polizeiarbeit viel Zeit für ihre Protagonisten. Klar, dass "Sog" auf den ersten Band aufbaut, dennoch ist das Buch auch ohne Vorkenntnisse gelungen. 

Gelesen wird "Sog" von Dietmar Wunder, dem Synchronstimme von James Bond-Darsteller Daniel Craig. Wunders harte Timbre passt hervorragend zum eiskalten Verbrechen, so dass hier keine Wünsche übrig bleiben. 

 

der Hörverlag ISBN: 9783844527131

 

Fazit: Toller, brutaler, kalter Krimi aus Island - stark gelesen

 

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Review: The Source / Ayreon

ayreon-the-source-180062Das ist mal eine Oper: Arjen Lucassens Projekt Ayreon kann mit dem neuem Album “The Source“ alte und neue Progfans auf ganzer Linie zu überzeugen. Das war nicht immer so: Zwar hat das musikalische Genie aus dem Nachbarland Holland schon so einige sensationelle Alben abgeliefert (vor allem "The Human Equation" von 2004 ragt hier heraus), doch in den letzten Jahren wurde es zunehmend "verkopft". Das ist für Prog-Fans per se kein Hindernis, doch Werke wie "The Theory of Everything" und vor allem  "01011001" konnten zwar viele gute Kritiken einheimsen, konnten aber nicht in Gänze begeistern. Das ändert sich nun wieder. Für Ayreon- typisch hat Lucassen mit James LaBrie (Dream Theater), Simone Simons (Epica), Floor Jansen (Nightwish), Hansi Kürsch (Blind Guardian), Tobias Sammet (Edguy, Avantasia), Paul Gilbert (Mr. Big) oder Russell Allen (Symphony X) das "Who is Who" der Metal-Szene aufgetischt, um wieder ins Genre Science-Fiction zurückzureisen. "The Source" ist quasi das Prequel zu "01011001" und erzählt von den Ursprüngen der Alien-Rasse "Forever" und beschreibt den Kampf der Menschen auf dem Planeten Alpha und die Flucht auf den Planeten Y. Wie üblich bei Ayreon porträtieren die vielen verschiedenen Sänger die handelnden Personen der Geschichte. Musikalisch ist der Mix der höchst variablen Sängergilde ein wahrer Genuss. Zwischen Metal, Classic-Rock, Folk und Pop wird hier agiert, was die Songstrukturen aufregend, aber dennoch nicht zu komplex macht. Im Gegenteil: So viele schöne Melodien wie auf "The Source" hat Arjen lange nicht mehr gezaubert. Das kulminiert in manchmal zu süßlichen Refrains ("Condemned to live").

Da es aber die Mischung macht, bietet "The Source" einfach alles: Harte Riffs, große Melodien, wahnwitzige Gitarrenarbeit und verpackt das Ganze in eine stimmige Story. Das ist wohl das am stärksten Gitarren orientierte Ayreon-Album aller Zeiten. Richtig stark sind natürlich die Gesangsleistungen. Kürschs charakteristischer Gesang dringt manchmal zu aufdringlich durch die Boxen (und verlässt den Blind Guardian-Pfad viel zu wenig), doch auch hier ist der Kontrast zwischen den Stimmen (die fast immer aufeinandertreffen) der Clou und lassen "The Source" unverkennbar nach der Arbeit eines Arjen Lucassen klingen. Wenn Sammet stimmlich auf den überragenden Russell Allen trifft, ist das schon eine kuriose und spannende Sache. Klingt die ganze Sache dann ab und zu auch noch nach Queen (oder Devin Townsend), ist garantiert Mike Mills (Toehider) als Betriebssystem TH 1 am Werk. Fantastisch. 

Nervig: Viel zu viele der Songs sind vorab veröffentlicht worden (etwa als erster Track "The Day That The World Breaks Down" mit rund 13 Minuten und allen Sängern an Bord). Gerade bei einem Konzeptalbum ist das armselig, auch, wenn es vielleicht zeitgemäß erscheint. Aus diesem Grund verbieten sich eigentlich auch Anspieltipps. Eigentlich... Wer die ganze Komplexität der Scheibe verstehen will, sollte in "The Day That The World Breaks Down" (bitte auf den grandiosen Russel Allen ab Minute 9 achten) hineinhören, wer einfach einen geilen Einzeltrack hören will, probiert sich an "Run Apocalypse run". 

 

Fazit: Wer kann, der kann: Arjen Lucassen katapultiert den Hörer ins All

 

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Review: Die For Rock N' Roll / Double Crush Syndrome

0e9b9d7bb1-DCS AlbumcoverFür diesen RocknRoll möchte man sterben: Andy Brings (Ex-Sodom, Ex-Traceelords) und sein Double Crush Syndrome (mit dabei: Slick Prolidol - bass, vocals und Julian Fischer - drums) knickern mit einer großen Plattenfirma (Nuclear Blast) im Rücken ihre größten Hits neu ein und packen dazu noch ein wenig mehr in die Bonbontüte des Rock.

Fans des Eyelinerrocks kennen natürlich schon das Gros der Songs vom selbst produzierten "The You Filter" (REVIEW). Das gute Stücke räumte damals 5 von 6 Gitarren bei uns im Test ab und nun knallt das neue Double Crush Syndrome gleich 14 Tracks auf das Labeldebüt.

Was damals gut war, bleibt gut. Oder ist sogar noch besser: Wer nach dem Refrain von "Die for Rock 'n' Roll" keinen Ohrwurm als Haustier sein Eigen nennt, hat die Rockmusik nie geliebt.

Zu den bekannten Tracks gibt es neue Perlen wie "Slow Suicide", "I wanna be your monkey" oder das geniale "Can't You Be Like Everyone Else". Andy und seine Spießgesellen musizieren dabei in der bekannten Brings-Schnittmenge zwischen den Ramones, Kiss und ziemlich männliche Runaways. Wahrhaft großes Kino und eine absolute Partygranate wird hier feil geboten, weshalb ich noch einmal einen halben Punkt zu "The You Filter" drauf packe. Die Rohheit ist in der Produktion leider ein wenig verloren gegangen, aber das ist wirklich nur Jammern auf höchstem Niveau. Well done...

 

Fazit: Starkes Labeldebüt

 

5-5von6

Review: Soul on Fire - Leben und Musik von Peter Steele

TONPetrus Thomas Ratajczyk hätte es gemocht, dieses Buch, das die Odyssee eines Lebens, gelebt in beinahe shakespearischer Dramaturgie, skizziert. Als Pete Steele hat Petrus Thomas mit einem Schlachtschiff von einer Band fremde Länder erobert, Emotionen gebündelt, Lebensinhalte für tausende Fans gestiftet. Type O Negative waren eine ganze besondere Formation, deren Einfluss vor allem in den Herzen der Hörer bei ihrer ganzen Düsternis nicht zu unterschätzen war und ist. Im Verlag Nicole Schmenk ist nun "Soul on Fire" von Jeff Wagner in der deutschen Variante (hervorragend übersetzt von Andreas Schiffmann) erschienen und das Buch ist die längst überfällige Biographie des 2010 an den Folgen eines gerissenen Aortenaneurysmas verstorbenen Bassisten und Sängers. Auf mehr als 300 Seiten wird die bisweilen kritisch betrachtete Karriere von Steele ausführlich behandelt, mit sehenswerten Fotos garniert und die Wichtigkeit des Bass-Hünen, der 1995 sogar das Cover des Playgirl zierte (hier wird mit dem Mythos aufgeräumt, dass Steele der Erste war, der mit erigiertem Penis auf den Seiten des Magazins abgebildet wurde - in der Tat war dieses Tabu bereits 1980 gebrochen worden), zelebriert und seziert. 

Wagner beschreibt Steele schonungslos: Vom Mann mit Visionen zum Drogenwrack, das mit nichts und wieder nichts zufrieden sein konnte, und wieder zurück - der New Yorker war eine schillernde Persönlichkeit in allen Extremen."Soul on fire" ist leicht und flockig zu lesen, so dass einem lediglich das tragische Ende schwer im Magen liegen könnte.

Das Buch endet natürlich - wie sollte es anders sein - mit dem tragischen Tod des Idols einer ganzen Metalgeneration. 2005 versetzte Steele bereits einige Fans in Angst und Schrecken, als die Startseite der Website von Type O Negative einen Grabstein mit der Aufschrift Peter Steele 1962–2005 zeigte, nur fünf Jahre später war das aufgrund des zügellosen Drogenmissbrauchs nie Undenkbare zu einem dann doch undenkbaren Zeitpunkt (Steele war seit neun Monaten clean und trocken) eingetreten: Petrus Thomas Ratajczyk starb im Alter von gerade einmal 48 Jahren: A dying God-man full of pain (aus "Christian Woman").

 

Fazit: Würdige Lebensgeschichte eines umstrittenen Musiker 

 

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Review: Call of Duty - Infinite Warfare

cod34Die Call of Duty-Reihe ist so etwas wie der Arnold Schwarzenegger unter den Actionspielen: Wo COD draufsteht, knall es an allen Ecken und Enden, gibt es mehr Explosionen als Dialoge. "Infinite Warfare" macht da natürlich keine Ausnahme, das will es aber natürlich auch überhaupt nicht, die Spielreihe ist schließlich die umsatzstärkste auf dem Planeten.

Die Story von Infinite Warfare ist fix erzählt: Die Zukunft - unendliche... ach nein. Endliche Rohstoffe. Die natürlichen Ressourcen der Erde sind erschöpft und die Menschheit muss sich von anderen Planeten und Asteroiden leckere Rohstoffe zusammenklauen. Doch das wollen auch andere. Die Settlement Defence Front (SDF) unter Führung von Admiral Salen Kotch vom Mars und gespielt von Kit Harington aus Game of Thrones (Jon Snow) ist der große (und komplett uncharismatische) Gegenspieler. Der Bösewicht quasi. Es gilt ihn also zur Strecke zu bringen. Viel mehr muss man nicht wissen, um in die Haut von Nich Reyes zu schlüpfen. Als dieser führen wir nun unsere Streitkräfte erstmals auch ins All. Und da, wo es eigentlich keine Explosionen zu hören gibt, knallen wir so manches Raumschiff in die ewigen Jagdgründe. Dabei bietet Infinite Warfare eine hübsche Mischung aus Herumlaufen und Ballern sowie Herumfliegen und - Ihr habt es Euch gedacht - Ballern. Die Grafik ist atemberaubend, die Explosionen suchen ihresgleichen, der Sound ist top, die Steuerung präzise, die Gegner fordernd (was vor allem an der enormen Menge der Kollegen liegt). Ist Infinite Warfare also das beste Action-Spiel nach Jesu Geburt? Nein, es ist nicht einmal das beste Call of Duty-Spiel, denn im Singleplayer ist die Story doch arg dünn und setzt auf ziemlich großspurigen Patriotismusquatsch im besten Ami-Stil. Dazu ist es einfach zu linear. Dieses CoD trennt die Gelegenheitsspieler von den Profis. Während erstere im Singleplayer eine Weile Spaß haben können, sind viele Pro-Zocker genervt von der vielen Rumhüpferei und den schlechten Spawnpunkten im Multiplayer. Hübsch hingegen: Ein im 80er Stil gehaltenes Jahrmarkt-Zombie-Abenteuer gibt es zum Spiel obendrauf. Tipp: Installiert bitte unbedingt die englische Sprachversion. Die deutsche Synchro stinkt.

 

Fazit: CoD im Weltraum - alles ballert, alles explodiert - Profis sind genervt

 

 

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Review: Dishonored 2 (PS4)

dish22012 war Dishonored, das Schleich und Attentatsspiel der französischen Softwareschmieder Arkane Studios ein echter Überraschungserfolg. Doch das ist vier Jahre her. Können die Franzosen mit dem Nachfolger nun an den Erstschlag anknüpfen? Dishonored 2 spielt 15 Jahren nach dem Vorgänger. Die einstige Thronerbin Emily Kaldwin wurde um ihr Privilieg, Kaiserin zu werden, betrogen und will nun Rache. Dabei hilft der junge Frau Ziehvater und Leibwächter Corvo Attano. Interessant: Man kann selber entscheiden, mit welchen Charakter man spielen möchte. Dabei spielen sich beide völlig unterschiedlich, was der Langzeitmotivation zugute kommt. Einen Koop-Modus gibt es hingegen nicht, würde dem Schleichspielprinzip aber auch entgegenwirken. 

Corvo spielt sich fast wie in Dishonored 1. Er kann die Wächter schleichend aber auch im furiosen Kampf bewältigen. Emily ist da eine ganz andere Nummer: Wer hier nicht schleicht und heimlich zu Werke geht, wird zwangsläufig häufig scheitern. Die Grafik wurde deutlich aufgebohrt, die Welt sieht wirklich sehr hübsch aus, wenngleich aktuelle Top-Titel wie Uncharted eindeutig die Nase vorn haben. Die Gegner agieren sehr indifferent. Mal strunzdumm, suchen sie in anderen Momente intelligent die ganze Gegend ab und machen es dem Spieler deutlich schwerer, sich zu verstecken, als noch im Vorgänger. Die Stadt Karnaca ist nun deutlich detaillierter und hat mehr zu bieten. 

Die Atmosphäre der Stadt ist sagenhaft, die Charaktere bleiben leider oft blass, genauso blass wie eher müde Story. Dennoch: Nach einigen ersten Stunden (in denen Dishonored 2 ein wenig zäh daher plätschert) wird das Spiel immer besser, das Leveldesign ausgeklügelter und übertrifft sogar das tolle Debütgame. Was nervt? Leider die Steuerung, die bewusst im 1st Person-Stil angesiedelt ist. Nicht immer ist die Bewegung am Gamepad so geschmeidig, dass man auch wirklich von einer Dachrinne zu nächsten hüpft, sondern wie ein Stein in die Gasse darunter plumpst. 

 

Fazit: Wie Dishonored 1 - nur noch besser. Problematisch bleibt die Steuerung.

 

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Review: Perzonal War - Inside The New Time Chaoz

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Bereits seit 20 Jahren ist die Trash-Metal-Band Perzonal War aus Troisdorf im deutschen Metal Untergrund am Werkeln. Aus diesem feierlichen Anlass hat die Band, um die Gründungsmitglieder Matthias Zimmer (Gitarre und Gesang) und Martin Buchwalter (Schlagzeug), mit „Inside The New Time Chaoz“ ein 20th-Anniversay Album vorgelegt. Die Scheibe, die insgesamt 11 Songs zählt, ist eine Mischung aus den ersten beiden Alben der Band. Fünf Lieder entstammen der ersten Platte „The Inside“. Die zweite Hälfte präsentiert sechs Tracks ihrer zweiten CD „Newtimechaoz“, das im Jahr 2000 erschien. Beide Alben sind schon lange ausverkauft, so entschloss sich das Quartett die beiden Scheiben im aktuellen Line-Up erneut aufleben zu lassen. Die alten Songs wurden neu aufgenommen, anders arrangiert und teils geändert. Das Wesen der Original-Stücke bleibt dabei erhalten. Fans der ersten Stunde wird es freuen, dass die ehemaligen Bandmitglieder Frank Buchwalter, Sascha Kerschens und Sven Krautkrämer ebenfalls mit von der Partie sind. Wie schon beim Original, weiß man beim ersten Song, woran man ist. „The Inside“ offenbart Trash-Metal vom Feinsten, gepaart mit melodischem Gesang. Weiter geht es mit D.O.P. Ähnlichkeiten zu Metallica können hier nicht geleugnet werden. Die Gitarrensoli des dritten Tracks, „Good & Evil“, bleiben besonders in Erinnerung, bevor es mit „Hornet“ weiter geht. Das Musikstück ballert anfangs ganz ordentlich, besticht aber auch mit langsameren Zügen. „Putrefaction Of Mind“ ist ein genialer Midtempo der ebenfalls mit schnelleren und ruhigen Passgen, vor allem aber mit einem tollen Refrain glänzt. Beim ersten Song des jüngeren Albums „Newtimebitch“ erinnert der Gesang abermals an Metallicas James Hetfield. Die wiederholenden Parallelen zu Metallica sind keineswegs schlecht, nerven aber an manchen Stellen etwas arg. Das Songwriting ist klassisch, doch nicht langweilig. Mit „Area Black“ folgt eine recht düstere Nummer, die jedoch die Vielfalt der Band hörbar macht. Spätestens bei „Mother Darkness“ ist die Stimmung aber wieder oben auf. 

 

 

Fazit: Gelungenes Revival der alten Songs

 

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Review: Colour of Noise- Colour of Noise

23474390416 afec2abb2b nDie halbe Stunde im Vorprogramm von Thunder im Herbst waren für Colour of Noise ein wichtiger Schritt in den Fokus der Rockfans. Die Classicrock-Band aus Brigthon fegte beeindruckend über die Bühne und machte so ihren knackigen Bluesrock mehr als schmackhaft. Das Debütalbum "Colour of Noise" wurde per Crowdfunding finanziert und ist mittlerweile erhältlich. Man hätte vielleicht noch etwas mehr Geld sammeln sollen, um sich ein vernünftiges Cover designen zu lassen. Ich habe seit vielen Jahren nicht mehr so ein gruseliges Artwork gesehen.

Dabei sind die Mitglieder  beileibe keine Unbekannten. Matt Mitchell singt bei Furyon und Bruce John Dickinson beispielsweise hat mit den legendären Little Angels schon eine hübsche Karriere hingelegt. Auf zehn Tracks beweisen die Briten, dass sie den 60er und 70er Bluesrock mit der Muttermilch aufgesogen haben. Immer wieder blitzen auch Led Zeppelin auf (etwa beim Motiv von "Can you hear me"), was ja nie eine schlechte Referenz sein kann.

Zwischen traditionellen Bluesklängen (zum Beispiel beim im Riffing an ZZ Top erinnernden "Medicine Man") wird es nur selten deutlich härter als es etwas bei Thunder zugeht, insofern war dieses Tourpackage die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Ohrwürmer können hier und da ebenfalls der Band entfleuchen: "Drive it like you stole it" (tolles Gitarrensolo!) oder "You only call me" (mit leichter Aerosmith-Schlagseite) sind starke Songs, während nicht alle Werke des Albums derart zünden (eher lahm: "Can't take it with you").

Die Scheibe endet mit "Great day for Rock & Roll" und der Tag, an dem "Colour of Noise" entschieden gemeinsame Sache zu machen, könnte sich in der Tat als toller Tag für unsere Lieblingsmusik erweisen. 

 

Fazit: Gutes Debüt mit Luft nach oben

 

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Review: Basar der bösen Träume / Stephen King

basar der boesen traeumeDer "Basar der bösen Träume" ist eine Kurzgeschichtensammlung von Gruselmeister Stephen King im Hörbuchformat. King ist mittlerweile aus der stets gerne der literarischen Schmuddelecke zugeordneten Horrorkategorie herausgetreten und zu einem der ganz großen amerikanischen Erzähler geworden. Zwar hat der heute 68-Jährige immer mal über den Tellerrand geblickt, doch Mitte der 2000er Jahre findet sich eine neue Qualität in seinen Geschichten. "Der Anschlag", "Joyland" oder "Mr. Mercedes" sind Paradebeispiele für den nicht mehr ausschließlich blutigen Stephen King.

Diese Sammlung an Geschichten schwankt in der Qualität, alle 20 werden aber erneut vom Berliner David Nathan - mittlerweile DIE Stimme Stephen Kings in Deutschland - formidabel eingelesen. Während eine Story wie "Raststätte Mile 81" (mitten in einen unauffälligen Frühlingstag im April hält ein unidentifzierbarer Kombi auf einem verlassenen Rastplatz inmitten von Maine. Er wird zur grässlichen Todesfalle für alle, die nur helfen wollen) stark an Christine erinnert und den frühren King darstellt, ist "Die Düne" (Der pensionierte Richter Harvey Beecher ist süchtig nach einer Düne auf einer kleinen Insel vor der Küste Floridas. Denn diese scheint nicht nur unbeweglich zu sein, sie kann auch Tote voraussagen. Der letzte Name ist jedoch etwas ganz Besonderes) perfide und hintergründig. Manche der Geschichten sind etwas seicht und eher ideenlos (Die Knochenkirche) oder klammern sich stark an bereits benutzten Ideen und Motiven des Meisters (Premium Harmony).

Alles in allem bekommt der Hörer aber ein ziemlich gutes Bild davon, wie King arbeitet, wozu auch die Texte zwischen den Geschichten beitragen. Hier lässt sich der Autor stark auf die Finger gucken, verrät Hintergründe zu Geschichten und seinem Leben. Spannend. 

Einige Geschichten stechen heraus: Das wäre einmal "Ur", in der Englischlehrer Wesley Smith von seiner neuesten technischen Errungenschaft, einem kindle, begeistert ist. Das Gerät zeigt ihm Werke und Nachrichten aus anderen Welten und zu anderen Zeiten. Ebenfalls richtig genial: "Nachrufe" (Das Internet schläft nie ist das Motto von Neon Circus, einem kreischend lauten wie bunten Onlinemagazins. Mike Anderson schreibt Nachrufe auf Verstorbene, bis er entdeckt, dass er mit diesen üblen Zeilen eine ganz besondere Macht bekommen hat" und Feuerwerksrausch". Letztere Geschichte beweist vor allem, dass King auch ohne den Touch Horror ein toller Erzähler ist. Zum Abschluss der Sammlung wird es mit "Sommerdonner" apokalyptisch und ziemlich traurig. 

Eine Hörprobe gibt es HIER!

 

Fazit: Ziemlich starke Kurzgeschichtensammlung, formidabel von David Nathan vorgetragen

 

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Review: Mortal Kombat XL (XBox One)

mortal kombat xl 1 rawEin Test von Mortal Kombat X? Ist das nicht eine olle Kamelle? Nein. Im April 2015 erschien mit "Mortal Kombat X" der zehnte Teil der Prügelserie. Doch "Mortal Kombat X" wurde erst im Herbst  in Deutschland auf den Markt geworfen. Mit Mortal Kombat XL kommt nun das, was man "Maximum Gore" nennen könnte. Erweitert wurde das Hauptspiel um alle bisher veröffentlichten DLCs, dazu kommen neue Charaktere wie den Xenomorph aus "Alien", Leatherface aus "Texas Chainsaw Massacre", Jason Voorhees aus "Freitag der 13.", den Predator sowie weitere mehr oder weniger bekannte Kämpfer wie Triborg, Bo’Rai Cho, Tanya, Tremor und Goro. Dazu gibt es einige Skin-Packs und neue Kampfarenen. So kommt man mit XL auf 33 statt 25 Kämpfer. Spielerisch hat sich natürlich nichts Wesentliches verändert. Es gibt einen Story-Modus mit vielen Kämpfen und fast noch mehr Zwischensequenzen, bei dem man in die verschiedenen Rollen schlüpft. Das Ganze ist natürlich nur ein dünner Mantel, um zu prügeln. Ein hollywoodreifes Drehbuch sollte man hier nicht erwarten. Wer mit dem Mortal Kombat-Univerum bisher nichts anfangen konnte, wird auch nach dem Storymode kein glühender Fanboy sein. 

Will man die Story gar nicht erst anpacken, kann man sich durch verschiedene "Türme" schlagen, wo ständig wechselnde Herausforderungen auf den Gamer warten. Daneben kann man natürlich auch einfach einen Charakter anwählen und gegen die KI oder einen Freund loslegen. Die Gewaltdarstellung bei den Special Moves ist hier schon gewaltig, weshalb USK18 durchaus angebracht ist. Der Witz dabei: Die Verstümmelungsdarstellungen sind derart übertrieben, dass das Spiel NICHT indiziert wurde. Klingt komisch, ist aber so.

Wer bisher Mortal Kombat X nicht besitzt, erhält die Gelegenheit, ein umfangreiches Spiel zu erwerben. Die DLCs gibt es für Mortal Kombat X-Besitzer natürlich auch einzeln. Grafisch bekommen wir hier auf jeden Fall Einiges geboten und auch die vielen Charaktere sind hervorragend umgesetzt und haben alle ihre eigenen, zum Teil spektakulären Special Moves.  

Spielerisch sind die Attacken durchaus vielfältig, manchmal hat man jedoch den Eindruck, dass das Knöpfedrücken ein wenig Latenz aufweist. Dennoch: Wer auf Prügelspiele steht, wird hier voll bedient.

 

Fazit: Ultrabrutale Prügelorgie mit großem Update

 

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Review: Unravel (Xbox one)

1031469 LB 231x326 en US  2015-06-08-12-38-28 34137b019ffbf482edfea4910a792707153fea75Yarny ist aus Wolle und zehn Zentimeter klein. Je weiter er läuft, desto mehr wickelt er sich ab. Das ist dumm, schließlich gilt es ausladende Landschaften zu erkunden. Zum Glück findet Yarni auf seinem Weg immer wieder Wollfäden, die er sich einverleiben kann, mit denen er seine Wege verlängern kann. "Unravel" ist ein Independentgame auf Downloadbasis, welches von EA Games vertrieben wird. Die schwedischen Entwickler von Coldwood haben ein Physik-Jump & Run erschaffen, dass in seinen besten Moment an "Little Big Planet" erinnert, in seinem dann aber doch häufig zu linearen Gameplay nicht an den Premiumtitel herankommt.

Dafür ist Yarny aber ein günstiger Geselle und schon für 20 Euro zu haben. Man bekommt eine zu vernachlässigende Hintergrundstory, wunderschön gestaltete Landschaften und einige knackige Jump & Run-Aktionen, bei denen Yarny gar nicht mal selten böse abstürzt oder in irgendwelchen Pfützen ertrinkt.

Die Niedlichkeit von Yarny ist dabei wirklich kaum zu toppen, die Aktionen jedoch, die man ausführen muss, um voran zu kommen (Seil werfen, Schwingen, Springen, Wollbrücken bauen), wiederholen sich recht schnell. Vor allem das Springen ist zu Beginn sehr tricky. Schnell hat man aber die Muster der Rätsel durchschaut. Auch sind die Save-Checkpunkte häufig schlecht gesetzt, so dass man viel zu weit zurück geworfen wird. 

Trotz dieser Kritikpunkte macht Unravel Spaß und versprüht eine wunderbare Atmosphäre, die einen dann doch immer wieder zum Gamepad greifen lässt.

 

Fazit: Wunderschöne Optik, tolle Hauptfigur, leider oft problematische Spielmechanik 

 

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Review: Bowie / Marc Spitz

bowieSein Tod hat die Rockwelt erschüttert: Kurz nach der Veröffentlichung seines neuem Albums hat David Bowie das Zeitliche gesegnet. Musiker, Schauspieler, Pop-Chamäleon, Rock-Ikone - David Bowie war all das und für viele noch unendlich mehr. Eine bereits ältere Biografie wurde nun in aktualisierter Form neu herausgebracht: "Bowie" von Marc Spitz ist nach wie vor das aktuellste und umfangreichste Werk über einen der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts und die einzige derart umfassende Bowie-Biografie auf dem deutschen Markt. Der Autor und Musikjournalist Marc Spitz lässt darin zahlreiche Bowie-Begleiter wie Ex-Frau Angie Bowie, den früheren Manager Kenneth Pitt und Musikerin Siouxie Sioux zu Wort kommen. Die Biografie vermittelt einen Einblick in die Kultur im Nachkriegsengland, in die Mode- und Hippie-Szene des Londons der Swinging Sixties und in das von Sex und Drogen aufgeheizte Milieu der frühen 70er-Jahre, in dem Bowies Kunstfigur Ziggy Stardust das Licht der Welt erblickte. Ergänzt durch zahlreiche Fotografien aus Bowies Leben, wird sein Aufstieg zum internationalen Superstar in den 80er-Jahren spannend nachgezeichnet. Marc Spitz beleuchtet zudem Bowies Status als Ikone der alternativen Kunst- und Kulturszene, erforscht sein Verhältnis zu Themen wie Kunst, Kommerz, Buddhismus und Okkultismus und befasst sich mit seinem komplizierten Familienleben. Marc Spitz, geboren 1969 in New York, ist Musikjournalist, Schriftsteller und Dramatiker. Bekannt wurde er durch Beiträge für Magazine und Zeitschriften wie Spin, Maxim, New York Timesund Nylon. In "Bowie" zieht er alle Register seines Könnens, das Werk ist packend und spannend, obwohl man meint, schon alles über David Bowie zu wissen. Mitnichten. Das Buch schreit geradezu danach, anschließend (oder währenddessen) Youtube nach den vielen geschilderten seltsamen Momenten in Bowies Leben zu durchsuchen. 

Dennoch gibt es auch Kritik: Spitz hat David nie getroffen, dieser lehnte jedwede Zusammenarbeit mit einem Co-Autor einer Biographie zu Lebzeiten ab. Und so kommt "Bowie" manchmal eher wie ein riesengroßes Essay mit zahlreichen persönlichen Sichtweisen des Autors daher.  Das ist nicht immer problemfrei, denn es resultiert in zahlreichen sehr subjektiven Seiten. Auch fehlt völlig unverständlicherweise eine gescheite Discographie. Gerade bei den vielen Querverweisen wäre das beim anschließenden garantierten Youtube-Studium des Lesers absolut notwendig gewesen. Immerhin: Zahlreiche Patzer der Originalausgabe (fehlerhafte Jahreszahlen und Details) wurde ausgemerzt. 

 

Fazit: Guter, wenngleich oft sehr subjektiver Einblick, in das Lebenswerk eines der größten Musikers aller Zeiten

 

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Marc Spitz:
David Bowie – Die Biografie
Aktualisierte Neuauflage, mit einem Vorwort von Hollow Skai
560 Seiten, Broschur, mit zahlreichen Abbildungen
Format 13,5 x 21 cm
€ 14,95 (D) / € 15,40 (A)
ISBN 978-3-8419-0461-4
Auch als E-Book erhältlich

 

 

Review: Die Unantastbaren - Richard Price

die unantastbarenEin ziemliches Bohei wird gerade um "Die Unantastbaren" von Richard Price veranstaltet. Gnadenlos gut, eine Studie der amerikanischen Polizei, ein spannender Krimi - liest und hört es man im Medienschungel rascheln. Das sind ja gleich drei Dinge auf einmal, wir sind hier doch nicht im Ü-Ei-Land. Oder etwa doch?

Richard Price ist so etwas, wie der Shootingstar der Kirmiszene. Bisher hat er neun Romane veröffentlicht, darunter das wochenlang auf der Bestsellerliste ganz oben stehende "Cash". Darüberhinaus ist Price ein veritabler und geschätzter Drehbuchautor. Den Edgar Award heimste er für seine Arbeit an der hoch gelobten TV-Serie "The Wire", für die er monatelang bei der Polizei recherchierte, ein.

Der Mann weiß also, was bei der Big Apple-Police abgeht und das merkt man seiner Arbeit stets auch an. In "Die Unantastbaren" geht es um Billy Graves, einem Cop in New York City. Energy-Drinks und Zigaretten halten ihn wach, während er in den frühen Morgenstunden die Blocks abfährt. Wie seine vier Kollegen hat auch er einen "Unantastbare"«, einen skrupellosen Mörder, den er nie dingfest machen konnte. Als einer der "Unantastbaren" tot aufgefunden wird, beginnt Billy, seine engsten Vertrauten zu verdächtigen. So weit, so spannend. Zumindest klingt es so. In der Tat verliert sich die Geschichte, die in der hier vorliegenden Hörbuchfassung von David Nathan und Oliver Rohrbeck im Wechsel gelesen wird, in losen Enden und verliert immer, wenn sie in Fahrt kommt an Spannung.

Ja, Price ist ein Meister darin, den Alltag der echten Cops zu skizzieren, das tut er auch in diesem Buch.

Doch irgendwo auf dem Weg hat er den Biss verloren, dies mit Hochspannung zu verweben. Auch erschließt sich der stete Wechsel der beiden Sprecher nur schwer, denn auch hier gilt: Rollt der Zug einmal, aktiviert der zweite Sprecher schnell die Handbremse. Krimi-Coitus interruptus könnte man das nennen. Eine verpasste Chance, denn zwei der allerbesten Hörbuchsprecher Deutschlands mühen sich hier vergebloch. "Cash" war fesselnd, "Die Unantastbaren" ist zu langatmig (obwohl das neunstündige Hörbuch gekürzt wurde - oder gerade deshalb?) und enttäuscht durch farblose Charaktere. Ü-Ei-Land ist abgebrannt...

 

Fazit: Zu viele lose Enden, außerdem gekürzt. Schade um die tollen Sprecher

 

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Review: Just Cause 3 (Xbox One)

Just Cause 3 cover artJust Cause 3 ist so eine Art Tropico meets GTA. Nach er sich jahrelang im Einsatz diverser Geheimdienste (Just Cause 2 von 2010) rumgetrieben hat, kehrt Rico Rodriguez auf seine Heimatzinsel zurück. Doch auf Medici herrscht der skrupellose Diktator Sebastiano Di Ravello. Rico - Nationalheld, der er ist - greift ein und hilft den Rebellen Di Ravello zu stürzen. Die Handlungsfreiheit in Just Caus 3 ähnelt stark der von GTA: Ob Rico Autos, Hubschrauber oder Boote klaut, Außenposten des Regimes vernichtet oder die Statuen des Diktator zu Fall bringt - wie Ihr vorgeht, ist eigentlich Eure Sache.

Natürlich gibt es zahlreiche Missionen, die dabei helfen, die Geschichte voranzutreiben. Die Nase vorn gegenüber GTA hat Just Cause 3 in Sachen Zerstörungswut. Nahezu alles kann dem Garaus gemacht werden und das macht Riesenspaß. Weniger Spaß macht die nicht immer direkt Steuerung (vor allem bei Fahrzeugen). Da saust man schon einmal aus Versehen mit seinem Vehikel den Hang herunter oder durch wunderbar aussehende Kornblumenfelder.

Weit über 100 Städte gilt es zurückzuerobern und der Einsatz für das Volks endet stets damit, dass man die Fahne der Rebellen hisst und ein Feuerwerk ausbricht.

Der Che in uns erwacht. Die Missionen sind nicht immer spannend: So nervt beispielsweise die Hatz über die Dächer, um in einer bestimmten Zeit alle Überwachungskameras auszuschalten. Die fehlende manuelle Speicherfunktion ist eine Katastrophe. Es gleicht oft einem Ratespiel, wann denn das Game einen Speicherstand angelegt hat. Angeblich soll dies immer Geschehen, wenn man aus dem Spiel ins Hauptmenü wechselt, doch zuverlässig funktioniert das nicht.Aufgelockert wird die Hollywoodreife Ballerei immer mal wieder durch Spezialeinsätze, etwa der Entführung eines Gasts der Regierung oder die Befreiung einer Geisel. Unterm Strich bleibt eine gandenlose Actionorgie mit kleiner Story und einer wunderschönen Inselwelt. 

 

Fazit: Riesenspaß für Zwischendurch, aber (erneut) kein GTA-Killer

 

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Review: Dream Theater - The Astonishing

DreamTheaterTheAstonishingDie neue Dream Theater-CD "The Astonishing" spaltet die (Musik-) Welt. Diesen Anschein hat man zumindest, wenn man in die einschlägigen Gazetten schaut. Während die Bravo-Fraktion im Metal das Werk der Amerikaner als das "The Wall" der Metal-Generation feiert (was natürlich Unfug ist, da es die Metalmauer schon gibt und "Operation Mindcrime" heißt), weisen die Kritiker am anderen Ende der Skala diese CD als das schlechteste Werk des Traumtheater aus. Die Wahrheit liegt da fast logischerweise in der Mitte, und der RocknRoll Reporter will euch (seine) Wahrheit verkünden.

Wenn man es objektiv betrachtet, liegt das letzte zu 100 Prozent begeisternde und in Gänze überzeugende Opus der Band lange zurück. Im Jahr 1999 beeindruckten Petrucci und Co mit "Scenes from a memorey", einem fast 80 Minuten langen Konzeptalbum, das vor mitreißenden Melodien, ein wenig Kitsch und harten Progmetalklängen nahe an den Genrekönig von Queensryche herankam.

Seitdem kamen viele gute aber wenige überragende CDs heraus, vor allem die Scheiben aus der Endphase von Ex-Drummer Mike Portnoy ärgerten mit tumben New Metal- Einlagen. Härter als zu "Images and Words"-Zeiten braucht die Metalwelt Dream Theater nun wirklich nicht.

"Scenes" war ein mitreißendes Konzeptalbum und - oh Wunder - mit "The Astonishing" geht die Gruppe an die Wurzeln des Meisterwerks zurück. Die neue CD ist ebenfalls ein Konzeptalbum, ebenfalls lang (in der Tat noch viel länger) und hat viel Dramatik (und Kitsch) zu bieten.

Konzeptalbum - das klingt immer toll, denn es heißt, dass eine ganze Scheibe ein Thema, eine Geschichte hat. Weniger toll daran ist allerdings in diesem Fall, dass die Story sich in zwei Sätzen zusammenfassen lässt (Gute Rebellen gegen böse Regierung, Musik als Heilsbringer etc pp). Das ist dünn, sehr dünn, was bei einer musikalischen Spielzeit von mehr als zweieinhalb Stunden ein echtes Problem darstellt. Diese Diskrepanz sollte sogar ein AfD-Wähler erkennen. 

Dennoch: musikalisch machen Dream Theater hier vieles richtig, denn sie bewegen sich. Und zwar weg vom eher stumpfharten "Train of Thoughts"-Metal, hin zu ganz gaaaanz (sagt, ich schon ganz?) großen Melodien. Das wird häufig kitschig, aber ich kann beruhigen: Es handelt sich hier (fast immer) um den guten alten, hochwertigen Kitsch. Den Casablanca-Kitsch und nicht den Schlaflos in Seattle-Kitsch. Apropos Hollywood: Viele Einlagen (vor allem von Keyboard-Magier Jordan Rudess) übertreten die Schwelle zur Filmmusik deutlich. Das äußert sich in vielen Zwischenpassagen, von denen manche Sinn ergeben (etwa das lange Marsch-Intro von "Brother can you hear me" nach der grandiosen Nummer "Three days" ), manche eher überflüssig sind.

34 Tracks, das ist eine ganze Menge Holz und so zündet nicht jeder Funken gleich gut. Vor allem das zweite Drittel der CD jedoch ist absolut erstklassig, zum Ende hin hätte man sich indessen etwas weniger Pomp und mehr schlüssiges Auflösen der Story (*hüstel) gewünscht. So findet sich viel Pathos ("Hymn of a thousand voices"), der musikalisch nicht immer das liefert, was man sich von Dream Theater erhofft. 

Auch wird an manchen Stellen Potential verschenkt. "A life left behind" beeindruckt eine Minute lang mit allerfeinstem Pop-Prog europäischer Prägung, bevor James La Bries Melodielinien aus dem genialen Anfang eine Durchschnittsballade machen. Schade.

Apropos Melodien: Loben muss man Gitarrist John Petrucci zwar nicht für seine leichtmatrosige Hintergrundgeschichte, aber durchaus für seine Soloarbeit an den sechs und sieben Saiten. Petrucci spielt die schönsten und schlüssigsten Soli seit "Scenes from a Memory". Und auch noch ein Wort zu La Brie: Ein wenig vokale Abwechslung hätte dem Album gut getan. Während das sensationell starke Arjen Lucassen Album "The Human Equation" mit James La Brie als Hauptsänger deshalb so geil ist, weil der Barde viele weitere starke Charaktere an seiner Seite hat (Devin Townsend zB), leidet "The Astonishing" ein wenig unter Eindimensionalität, auch wenn Petrucci La Brie durch sein Songwriting immer wieder versucht aus der Komfortzone zu locken. Das gelingt ab und an ziemlich gut (wieder "Three days"), leider haben La Bries zweite und dritte Stimmfarbe immer noch deutlich zu wenig Spielanteile. Nach Abpfiff des Mega-Werkes bleibt man als Zuhörer deshalb kurz ratlos, bevor man wieder von vorne anfängt und neue Perlen findet. Eine CD, die wächst, die aber durchaus 30 Minuten kürzer hätte sein müssen. 

Nach runden sechs Durchgängen würde ich diese Scheibe zu den besten fünf Dream Theater Outputs zählen (nach Images & Words, Scenes, Awake und When dream and day unite) - trotz aller Kritikpunkte.

 

Fazit: Zu langes aber enorm spannend-kitschiges Melodiemassaker

 

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