Review: Kill 'em all / John Niven

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Steven Stelfox ist zurück und das ist gut so: Der Vorgänger, "Kill your Friends", von John Niven wagte einen zutiefst verstörenden Blickt hinter die Kulissen der Musikindustrie im England der späten 90er Jahre. Steven Stelfox arbeitete als A&R-Manager für eine große Plattenfirma in London. Um Erfolg zu haben, schreckt er vor nichts zurück. Er lügt, betrügt, beleidigt, mordet - und kommt damit durch. 

Und nun? Das Buch spielt 2017 – Trump ist immer wieder ein Thema (Stelfox findet ihn natürlich verstörend geil), der Brexit und Fake-News ebenfalls. Zwanzig Jahre sind seit Steven Stelfoxs mörderischem Rundumschlag vergangen. Stelfox ist mittlerweile 27, kackenreich und verdingt er sich als Berater in der Musikindustrie. Sein alter Freund James Trellick, mittlerweile CEO der größten amerikanischen Plattenfirma, hat ein massives Problem: Sein Künstler Lucius Du Pre, der erfolgreichste Popstar auf Erden, befummelt kleine Jungs. Die Beschreibung Du Pres lässt natürlich keinen anderen Schluss zu, dass John Niven hier eindeutig an einen der größten Künstler aller Zeiten gedacht hat - nicht ohne, einige Dinge umzudrehen. Du Pre hat eine hohe Stimme, ist Tablettenabhängig, lebt auf einer Mega-Ranch namens "Narnia", will lieber schwarz statt weiß sein, lädt immer wieder Kinder auf seine Ranch ein, war schon als Kind ein Star, wurde von seinem Vater verprügelt und und und. Hallo Michael Jackson... Um die irrsinnigen Vorschüsse wieder einzuspielen, ist eine weltweite Comeback-Tour geplant. Doch dafür müsste er erst wieder in Form kommen. Und es gilt einen Erpressungsversuch abzuwenden - ein Video mit kompromittierenden Szenen, das nie an die Öffentlichkeit gelangen darf. Welcome back, Steven Stelfox.

Gelesen wird das Hörbuch exzellent von Dietmar Wunder, ein Hochgenuss. John Niven schafft es, seinem Kultbuch eine amüsante, bitterböse Fortsetzung zu spendieren, die lediglich am Ende dann doch ein wenig abdriftet und man Stelfox für einen kurzen Moment als fühlenden Menschen wahrnimmt. Einen sehr kurzen Moment...

Fazit: Gute Fortsetzung von Kill your friends, die Michael Jackson-Fans hassen könnten