Manche Albumcover sind Kunst. Andere sind Marketing. Und dann gibt es diese Kategorie „Was zur Hölle haben sie sich dabei gedacht?“ – genau dort spielen diese zehn Kandidaten ganz vorne mit.
BLIND FAITH – BLIND FAITH (1969)
Ein nacktes Mädchen mit einem futuristischen Flugzeugmodell. Das Foto stammt von Bob Seidemann. Die Intention war tatsächlich ernst gemeint: ein Symbol für die Verbindung von Mensch und Technologie, fast schon futuristisch-naiv gedacht. Problem: Das Modell war minderjährig, und das Bild bewegte sich schon damals juristisch und moralisch auf dünnem Eis.

SCORPIONS – LOVEDRIVE (1979)
Ein Kaugummi, der sich auf sehr eindeutige Weise zwischen zwei Menschen spannt. Subtil ist anders. Kritisiert, zensiert, heute Kult. Das Cover wurde vom Designstudio Hipgnosis umgesetzt – also denselben Leuten, die auch für Pink Floyd gearbeitet haben. Die waren bekannt dafür, visuelle Grenzüberschreitungen mit einem Augenzwinkern zu inszenieren. Hier ging das Augenzwinkern verloren. Einige Pressungen wurden entschärft, etwa durch eine blaue Version ohne das „Kaugummi-Detail“. Trotzdem blieb genau dieses Motiv das ikonische.

KING CRIMSON – IN THE COURT OF THE CRIMSON KING (1969)
Ein schreiendes Gesicht ohne Kontext. Kein Logo, kein Bandname. Nur pure Panik in Farbe. Das Gesicht wurde von Barry Godber gemalt, einem Programmierer (!) und Freund der Band. Er war kein professioneller Künstler. Genau das macht die rohe Wirkung aus. Das Cover besteht eigentlich aus zwei Gesichtern (außen schreiend, innen ruhiger), die zusammen ein Konzept ergeben. Tragisch: Godber starb kurz nach Veröffentlichung im Alter von 24 Jahren. Sein einziges großes Werk – und sofort unsterblich.

LOU REED – METAL MACHINE MUSIC (1975)
Minimalistisches Cover für maximalen Lärm. Eine Stunde Feedback – visuell angekündigt durch kühle Distanz.
Das Cover wirkt unspektakulär, ist aber bewusst provokant in seiner Nüchternheit. Reed positioniert sich hier visuell wie ein Anti-Star. Es passt perfekt zum Inhalt: ein Doppelalbum voller Feedback-Loops ohne klassische Songstruktur. Viele hielten das für einen bewussten Affront gegen das Label oder die Fans. Das Cover verstärkt genau diese Distanz: kein Zugang, keine Einladung.

THE BEATLES – THE BEATLES (WHITE ALBUM) (1968)
Ein weißes Cover. Sonst nichts. Nach psychedelischem Overkill plötzlich komplette Leere.
Entworfen von Richard Hamilton als Gegenentwurf zu „Sgt. Pepper“. Die Idee: komplette Reduktion. Kein Bild, kein Konzept, nur Leere. Jede Platte hatte eine individuelle Seriennummer – fast wie ein Kunstobjekt. Das war damals radikal, weil es Marketing komplett ignoriert hat. Ironischerweise wurde genau diese Leere zu einem der bekanntesten Designs der Musikgeschichte.

METALLICA – LOAD (1996)
Ein abstraktes Kunstwerk aus Blut und Sperma (kein Scherz). Die Band wollte Kunst – viele Fans wollten ihr altes Metallica zurück. Das Artwork stammt vom Künstler Andres Serrano. Der Titel des Werks: „Semen and Blood III“. Genau das ist es auch – eine Mischung aus Blut und Sperma zwischen Plexiglasplatten fotografiert. Die Band wollte bewusst provozieren und sich vom alten Image lösen. Viele Fans haben das eher als Affront verstanden. Das Cover ist bis heute eines der umstrittensten im Metal.

EMERSON, LAKE & PALMER – BRAIN SALAD SURGERY (1973)
Design von H. R. Giger, später bekannt durch „Alien“. Das Cover ist mechanisch, sexuell aufgeladen und gleichzeitig klinisch. Besonders interessant: Die LP hatte ein aufklappbares „Die-Cut“-Design, bei dem sich Teile des Gesichts öffnen ließen. Das war nicht nur visuell, sondern auch haptisch ein Erlebnis. Für damalige Verhältnisse extrem aufwendig.

MOTHERS OF INVENTION – WE’RE ONLY IN IT FOR THE MONEY (1968)
Frank Zappa wollte eine direkte Parodie auf „Sgt. Pepper“. Das Problem: rechtliche Bedenken. Deshalb wurde das Cover zunächst innen im Gatefold versteckt. Erst spätere Pressungen zeigten es außen. Typisch Zappa: Provokation nicht nur in der Musik, sondern auch im Packaging.

CAN – TAGO MAGO (1971)
Das Cover wirkt simpel, ist aber bewusst anti-kommerziell. Keine klare Bildsprache, keine Identität, kein „Verkaufen wollen“. Das passt zur Band: experimentell, improvisiert, jenseits klassischer Strukturen. Das Artwork ist fast ein Statement gegen klassische Rockästhetik.

BLACK SABBATH – BORN AGAIN (1983)
Ein rotes Baby mit Teufelshörnern. Albtraumhaft, billig wirkend und genau deshalb unvergesslich. Das „Teufelsbaby“ wurde vom damaligen Label-Designer Steve Joule entworfen. Die Band selbst war zunächst entsetzt. Die knallroten Farben und die fast schon trashige Umsetzung führten dazu, dass das Cover oft als eines der schlechtesten überhaupt bezeichnet wird. Gleichzeitig hat genau das Kultstatus erzeugt. Gitarrist Tony Iommi sagte später sinngemäß: „Es ist schrecklich – aber man vergisst es nicht.“

Fazit: Rockcover waren nie dafür gedacht, jedem zu gefallen. Zwischen Provokation, Kunst und kompletter Geschmacksverirrung liegt oft nur eine Idee – und genau diese Ideen machen sie unsterblich.
