
Nur drei Jahre später erfuhr vergangene Woche meine Freitagskolumne eine Wiederauferstehung. Freut euch! Ich tue es! Apropos Wiederauferstehung, Ostern naht. Und das ist ja dieses wunderbare Fest, bei dem plötzlich alle so tun, als hätten sie eine enge, fast schon persönliche Beziehung zu Hasen, Eiern und – je nach Auslegung – auch zur Auferstehung. Eine bemerkenswerte thematische Mischung, irgendwo zwischen Kindergeburtstag und Theologiestudium.
Der moderne Ablauf ist schnell erklärt: Man trifft sich mit der Familie, isst Dinge, die man sich an normalen Wochenenden nicht antun würde, und sucht anschließend im Garten nach Schokolade, die man selbst bezahlt hat. Kapitalismus kann so charmant sein.
Dabei hat Ostern eigentlich mal Bedeutung gehabt – also so richtig. Ob man drauf steht oder nicht. Heute ist es eher ein verlängertes Wochenende mit religiösem Hintergrundrauschen. Man nimmt es zur Kenntnis, so wie eine Vorband, die man nicht aktiv hasst, aber auch nicht wirklich braucht.
Auferstehung auf Zeit
Besonders faszinierend ist diese kollektive Verwandlung: Menschen, die sich elf Monate im Jahr nicht ansatzweise für kirchliche Themen interessieren, entwickeln plötzlich ein feines Gespür für Tradition. Kerzen, Bräuche, irgendwas mit „Besinnlichkeit“ – das volle Programm. Und danach geht’s zurück in den Alltag, als wäre nichts gewesen. Auferstehung auf Zeit.
Und dann ist da noch der Osterhase. Ein Tier, das Eier versteckt. Biologisch fragwürdig, marketingtechnisch ein Volltreffer. Irgendwann hat sich wohl jemand gedacht: „Jesus ist gut, aber was wir wirklich brauchen, ist ein pelziger Lieferant mit Süßwarenkompetenz.“ Seitdem läuft der Laden.
Das eigentlich Beeindruckende ist aber, wie widerspruchslos wir das alles mitmachen. Niemand stellt ernsthaft infrage, warum ein Fest, das ursprünglich von existenziellen Fragen handelt – Leben, Tod, Hoffnung –, heute vor allem aus Schokolade in Hasenform besteht. Vielleicht, weil die Schokolade einfacher zu verdauen ist als die großen Themen. Im wahrsten Sinne.
Am Ende bleibt Ostern ein seltsames Hybridwesen: ein bisschen Tradition, ein bisschen Familienpflicht, ein bisschen Zuckerschock. Und irgendwo, ganz leise, noch die Idee, dass es da um mehr gehen könnte.
Aber hey – erst mal den nächsten Schokohasen essen. Man will ja nichts verkommen lassen.
Bis nächsten Freitag!
yours Doc Rock
