
Konzertfotografie hat ein Imageproblem, schon immer. Von außen sieht das aus wie: ein bißchen vorne rumstehen, Kamera hoch, Klick, fertig. Rock’n’Roll mit Presseausweis. Realität: eher Halbmarathon mit Gegenwind. Ich merke das immer dann, wenn ich nach einem langen Abend ins Auto falle und nicht mehr genau weiß, ob meine Beine noch mir gehören. Und der Rücken… Ihr wisst ja: das Alter. Dabei habe ich ja nur ein paar Fotos gemacht… Nur.
Der Spaß fängt schon beim Schleppen an. Zwei Bodys, zwei, drei Linsen, Akkus, Karten, Kram. Das ist kein Hipster-Accessoire, das ist Gewicht. Du merkst es erst nicht. Aber dann… Dann kommt der eigentliche Job: drei Songs. Drei. Lächerlich, oder? Das klingt nach wenig, ist aber in der Tat ein Sprint. Du hast vielleicht zehn Minuten, um alles rauszuholen. Position suchen, Blickwinkel wechseln, reagieren. Sänger links – zack rüber. Gitarrist springt – hoffentlich bist du da. Drummer im richtigen Moment – viel Glück. Das ist kein gemütliches Draufhalten, das ist Timing unter Druck.
Und ja, technisch ist das alles machbar. Kamera kann das. Ich kann das (sowieso). Aber der Körper muss halt auch mitspielen. Knie runter, wieder hoch, Seite wechseln, zwischen zwei Leuten durchquetschen, ohne jemanden umzurennen (manche machen es trotzdem). Nach den drei Songs: raus.
Immer im Scan-Modus
Adrenalin runter, Puls noch oben. Kurz Luft holen, vielleicht einen Schluck Wasser – und dann geht’s wieder von vorne los. Nächste Band, nächster Lauf, nächster Sprint.
Was viele unterschätzen: der Kopf macht genauso mit. Du bist die ganze Zeit im Scan-Modus. Wo passiert was? Wer bewegt sich wie? Wann kommt der Moment? Du kannst nicht abschalten. Wenn du’s tust, verpasst du genau das Bild, das am Ende hängen bleibt.
Und dann, wenn alles vorbei ist, kommt der Teil, den keiner sieht: sichten, auswählen, bearbeiten. Müde, verschwitzt, immer nachts. Während andere das Konzert noch sehen, schon im Bett liegen oder noch ein Bier trinken, sitze ich da und gehe durch Hunderte Bilder. Entscheiden, was bleibt. Und vor allem: was nicht.
Ausdauer ist das falsche Wort, wenn man nur an Laufen denkt. Es ist eher eine Mischung aus Kondition, Fokus und der Fähigkeit, auch dann noch sauber zu arbeiten, wenn der Körper eigentlich Feierabend will.
Und trotzdem gibt’s diesen einen Moment. Dieses eine Bild, bei dem alles passt. Timing, Licht, Ausdruck. Dafür hast du geschleppt, geschwitzt, gerannt. Und genau deshalb stehst du beim nächsten Gig wieder da, als wäre nichts gewesen.
Bis nächsten Freitag!
yours Doc Rock
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