
Einmal unbegrenzte Macht zum Mitnehmen, bitte! Mit der Göttersimulation Fata Deum tritt Developer 42 Bits Entertainment an, die Fußstapfen des Großmeisters Peter Molyneux auszufüllen, der mit Populous (1989) und Black & White (2001) Meilensteine in diesem Genre geliefert hat. Besonders die Anleihen an letzteren Titel sind an jeder Ecke zu spüren.
Follower-Jagd mal anders
Mithilfe einer Art ätherischen Hand interagiert man direkt mit der frei beweglichen 3D-Landschaft und kann dort alles Mögliche anstellen. Bäume ausreißen oder pflanzen, Personen durch die Gegend schubsen, Zauber aller möglichen Couleur wirken – die Möglichkeiten sind schier unendlich. Dabei ist eines der übergeordneten Ziele immer, die Bewohner der verschiedenen Dörfer auf sich zu vereinen, indem man sie bekehrt. Um dies zu schaffen, hat man einerseits mühsame Einzel-Bekehrungs-Zauber, die viel des täglich limitierten Manas schlucken, auf der anderen Seite warten größere Wunder darauf, gewirkt zu werden. Da wird ein Monument wieder aufgerichtet, kranke Bewohner geheilt oder auch mal für frische Nahrung gesorgt.
Die Bewohner wiederum stellen dem Spieler kleine Aufgaben in Form von sogenannten Gebeten. „Siehst du den Typ dadrüben? Ich mag ihn nicht, kannst du ihn für mich bestrafen?“ Das gibt der Simulation zusätzliche Tiefe und bietet Abwechslung im sonst eher eintönigen Götter-Alltag. Tagsüber wirkt man seine Wunder, die Bewohner kümmern sich um ihre Jobs wie Feldarbeit, Holzfällen & Co. Irgendwann ist der Tag dann vorbei und es wird Nacht. Dort plant man neue Gebäude oder manipuliert die Träume seiner Gläubigen, bevor man mit einem Klick auf einen Button in den nächsten Tag startet, an dem dann die nachts vorbereiteten Aktionen wiederum von den Gläubigen ausgeführt werden. Dieser Tag-Nacht-Rhythmus unterscheidet Fata Deum von den Vorbildern doch deutlich, ohne aber negativ ins Gewicht zu fallen.

Insbesondere die völlig freie Interpretation der eigenen Spielweise bereitet jedoch viel Freude, denn wie schon bei B&W kann man hier auf dem guten wie auf dem bösen Pfad wandeln und entsprechend agieren. Entsprechend reagiert die Umwelt auf das Tun, die Atmosphäre wird bei einem bösen Gott deutlich düsterer als bei einem, der sich der guten Sache verschrieben hat. Und überhaupt: Die Welt! Es wuselt comichaft an allen Ecken und Enden in einem tollen Detailgrad. Die Figuren sind recht abwechslungsreich gestaltet und es macht Spaß, ihnen auch einfach nur mal ein paar Minuten zuzusehen.
Kein Licht ohne Schatten

Doch nicht alles an Fata Deum kann überzeugen. Das Spiel, das am 15. September das Licht der Welt (im Early Access) erblickt hat, hat aktuell noch keine Kampagne (diese soll aber noch kommen). Das wiederum hat zur Folge, dass man aus einer Art Baukasten Inselgröße, Anzahl der Gegner etc. auswählen muss und sich seine Geschichte selbst zusammenstricken muss. Auch das Tutorial kann man dann optional zuschalten – hier hätte ich mir zumindest eine kleine Tutorial-Kampagne gewünscht, denn nicht jedes System im Spiel wird wirklich erklärt. Wie werte ich Manipulationen auf? Worauf muss ich beim Gebäudebau achten? Was passiert, wenn ich den Gebets-Wunsch eines Followers nicht rechtzeitig erfülle? All das ist nicht sofort ersichtlich und hat zumindest bei mir für Verwirrung gesorgt.
Beispiel gefällig? Ich hatte eine weitere Holzfällerhütte geplant und sollte die mit zusätzlichem Holz versorgen. Also riss ich einen Baum aus, aber es gelang mir zunächst nicht, das Material auf der Baustelle zu platzieren. Stattdessen pflanzte ich den Baum mal dort ein, mal lag er als Fallholz im Weg. Erst einige Minuten später, nachdem sich niemand des Baumes anzunehmen schien, fand ich heraus, dass man ihn ins Hauptgebäude „liefern“ kann, wo dann daraus das Holzkonto gefüllt wurde. Das ist nur wenig intuitiv.
Fata Deum ist interessant gestaltet und bringt den richtigen Ansatz mit, das Genre der Göttersimulationen wiederzubeleben. Es macht vieles, aber eben noch nicht alles richtig – insbesondere eine Kampagne mit steigendem Schwierigkeitsgrad zum Erlernen der Systeme und Möglichkeiten würde dem Ganzen gut tun. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Dennoch hat das Spiel alles, um den Spieler stundenlang in seinen Bann zu ziehen. Kein Spiel verläuft wie das vorige und man ist auch schnell versucht, sich mal mit mehreren anderen (KI-)Göttern zu messen. Da fällt mir gerade ein: Ich muss noch mal schnell ein paar gegnerische Dörfer mit Feuer überziehen.
Wer Black & White mochte, kann jedenfalls auch an Fata Deum sein Herz verlieren.

