
Manche Filme erzählen eine Geschichte. MARTY SUPREME erzählt vor allem sich selbst – und das ziemlich konsequent.
Im Zentrum steht MARTY, ein Charakter, der sich selbst für deutlich bedeutender hält, als es die Realität hergibt. Das klingt nach klassischem Egomanen-Stoff, bekommt hier aber eine überraschend differenzierte Behandlung.
Timothée Chalamet trägt den Film nahezu im Alleingang. Und das nicht mit großen Gesten, sondern mit bemerkenswerter Zurückhaltung. Viel passiert über Blicke, Timing und minimale Verschiebungen in der Reaktion. Sein Marty ist keiner, der laut sein muss – sondern einer, der überzeugt ist, dass alle ohnehin zuhören. Genau daraus entsteht diese interessante Mischung aus Arroganz und Fragilität.
Gwyneth Paltrow setzt dem eine angenehm geerdete Energie entgegen. Ihre Figur wirkt wie ein stiller Gegenpol zu Martys Selbstinszenierung. Kein Pathos, keine Übertreibung – eher eine kontrollierte Präsenz, die ihn immer wieder erdet, ohne ihn direkt zu konfrontieren.
Tyler, the Creator bringt als Nebenfigur eine bewusst andere Dynamik ins Spiel. Weniger subtil, dafür deutlich spürbar. Seine Auftritte wirken wie kleine Störungen im System – und genau das scheint gewollt zu sein.
Inszenatorisch bewegt sich MARTY SUPREME zwischen zwei Polen. Einerseits stark stilisierte, fast überhöhte Bilder, andererseits Momente, die sich roh und beinahe dokumentarisch anfühlen. Diese Mischung funktioniert nicht immer reibungslos, verleiht dem Film aber einen eigenen Rhythmus.
Das größte Problem bleibt die Dramaturgie. Der Film verzichtet weitgehend auf einen klaren Spannungsbogen und reiht stattdessen Episoden aneinander. Gerade im Mittelteil verliert er dadurch spürbar an Zug.
Seine stärksten Momente hat MARTY SUPREME immer dann, wenn die Fassade bröckelt. Wenn aus dem selbstverliebten Auftreten für Sekunden etwas Echtes durchscheint. Genau dort wird der Film wirklich interessant.
Unterm Strich ist das kein Film für nebenbei. Er fordert Aufmerksamkeit, hat Längen, aber auch genug Substanz, um hängen zu bleiben. Kein rundes Werk – aber eines mit klarer Haltung. Und das ist oft mehr wert als perfekte Beliebigkeit.
