
George Harrison hatte auf den Welttourneen der Beatles seine Pentax immer griffbereit. „The Third Eye“, herausgegeben von seiner Witwe Olivia Harrison und erschienen bei Prestel, versammelt diese Aufnahmen erstmals in dieser Breite: 352 Seiten, rund 500 farbige Abbildungen, dazu Text von Colm Toibin. Der Preis: 50 Euro.
Man sollte „The Third Eye“ nicht mit dem Anspruch eines fotografischen Meisterwerks aufschlagen. Harrison war kein Berufsfotograf, und das sieht man den Bildern auch an. Was das Buch trotzdem stark macht, ist etwas anderes: die Position, aus der heraus fotografiert wurde. Kein Pressefotograf, kein Auftragsknipser stand hier hinter der Kamera, sondern einer, der mittendrin war. Das Ergebnis ist weniger Kunst als Zeitdokument – aber ein Zeitdokument, das seinen Wert genau aus dieser Nähe zieht, die von außen nie zu bekommen gewesen wäre.
Statt einer reinen Chronologie hat sich die Kuratierung für eine thematische Ordnung entschieden, gegliedert nach Orten und Phasen der Bandgeschichte. Das funktioniert: Kapitel wie eine US-Reise oder Stationen in Australien und Paris geben dem Material einen Rahmen, ohne es in ein starres Zeitkorsett zu zwingen. Wer ein lückenloses Tourtagebuch erwartet, wird enttäuscht – wer sich auf einzelne, gut komponierte Kapitel einlässt, kommt besser durch das Buch.
Bei Bildbänden dieser Kategorie ist der Begleittext oft Beiwerk, das kaum über Bildunterschriften hinauskommt. Hier nicht. Colm Toibins Text liefert echten Kontext statt nur Deko und macht „The Third Eye“ zu mehr als einer Aneinanderreihung von Fotos mit prominentem Absender.
50 Euro sind kein Schnäppchen, und bei Promi-Fotobänden verkauft sich bekanntlich oft eher der Name auf dem Cover als die fotografische Substanz dahinter. „The Third Eye“ entgeht dieser Falle zumindest teilweise: die kuratorische Sorgfalt und der eigenständige Textbeitrag rechtfertigen den Preis eher als ein reiner Bildband es könnte. Ob das für jeden Beatles-Fan reicht oder eher für Sammler und Vollständigkeitsfetischisten gedacht ist, muss am Ende jeder selbst entscheiden.

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