
Mit Route 96 legt Wunderkind Matteo Mancuso in diesem Jahr sein zweites Soloalbum vor und stellt sich damit der klassischen Bewährungsprobe: der Bestätigung eines viel beachteten Debüts. Nach dem internationalen Erfolg von The Journey (2023) war klar, dass Mancuso nicht mehr nur als Geheimtipp, sondern als feste Größe der modernen Instrumentalmusik wahrgenommen werden könnte. Wenn er es denn schafft, ein zweites überzeugendes Werk nachzulegen. Spoiler: Er schafft es! Das neue Album zeigt einen Gitarristen, der diesen Status nicht nur noch ausschließlich über Virtuosität verteidigt, sondern diesem Werkzeugkasten, kompositorische Reife und stilistische Klarheit hinzufügt.
Technisch bleibt Mancuso natürlich eine Ausnahmeerscheinung. Seine plektrumlose Spielweise, die Elemente klassischer Gitarrentechnik mit moderner Fusion-Ästhetik verbindet, ist nach wie vor zentral, wird auf Route 96 jedoch funktionaler eingesetzt. Schnelle Linien, komplexe Akkordvoicings und beidhändige Unabhängigkeit dienen der musikalischen Aussage und stehen selten als Selbstzweck im Vordergrund. Auffällig ist die verbesserte Phrasierung: Mancuso setzt Pausen bewusster, lässt Motive atmen und arbeitet stärker mit dynamischen Abstufungen.
Stilistisch bewegt sich das Album zwischen Jazz-Fusion, zeitgenössischem Progressive Jazz und mediterran geprägten Harmoniefolgen. Die Stücke sind klar strukturiert, verzichten weitgehend auf ausufernde Soloexzesse und setzen stattdessen auf motivische Entwicklung. In diesem Kontext spielt die Rhythmussektion mit Riccardo Oliva (Bass) und Gianluca Pellerito (Schlagzeug) eine zentrale Rolle. Beide agieren hochpräzise, rhythmisch differenziert und mit feinem Gespür für Groove und metrische Verschiebungen – ein wesentlicher Faktor für die Stringenz des Albums.
Steve Vai als Gastmusiker
Die Gastmusiker sind gezielt eingebunden. Antoine Boyer bringt auf Isla Feliz seine Gypsy-Jazz-typische Artikulation und rhythmische Leichtigkeit ein, ohne den Gesamtcharakter des Albums zu dominieren. Steve Vai tritt weniger als virtuoser Kontrastpol auf, sondern eher als stilistischer Bezugspunkt, der Mancusos Entwicklung in einen größeren gitarristischen Kontext einordnet. Valeriy Stepanov ergänzt das Klangbild mit modernen Jazz-Fusion-Elementen, bleibt dabei jedoch stets dienlich für das Gesamtarrangement.
Wilder Trip
Produziert wurde Route 96 erneut von Matteo Mancuso gemeinsam mit seinem Vater Vincenzo Mancuso in den Fico D’India Studios in Casteldaccia. Die Produktion ist ausgewogen, transparent und instrumentenfreundlich, mit klarer Trennung der Frequenzbereiche und ohne übermäßige Effekthascherei. Besonders die Gitarrensounds sind differenziert abgebildet und lassen sowohl Anschlagsnuancen als auch harmonische Feinheiten präzise erkennen.
Matteo Mancuso bestätigt hier nicht nur sein technisches Niveau, sondern etabliert sich endgültig als ernstzunehmende Stimme innerhalb der zeitgenössischen Gitarren- und Fusion-Szene.
Route 96 erscheint am 23. April 2026
Zu Matteo Mancuso

Matteo Mancuso gilt als einer der technisch eigenständigsten Gitarristen seiner Generation. Seine plektrumlose Spieltechnik kombiniert klassische Gitarrenansätze mit moderner Fusion- und Jazz-Phrasierung und ermöglicht außergewöhnlich flüssige Linien, komplexe Akkordvoicings und eine hohe dynamische Kontrolle. Anstelle bloßer Geschwindigkeit setzt Mancuso auf saubere Artikulation, beidhändige Unabhängigkeit und harmonische Präzision. Seine internationale Karriere nahm 2023 mit dem Debütalbum The Journey Fahrt auf, nachdem er zuvor vor allem durch virale Live- und Studioaufnahmen Aufmerksamkeit erlangt hatte. Seither gilt der Sizilianer als feste Größe der zeitgenössischen Gitarrenszene und arbeitet mit renommierten Musikern, während er weltweit mit ausverkauften Konzerten tourt.
