Ich bekomme solche Meet & Greets immer wieder mit, zuletzt bei einer der bekanntesten Rock-Bühnenshow-Acts überhaupt. Generalstabsmäßig geplant. Zeitfenster, Reihenfolge, Ablauf, alles durchgetaktet wie eine Flughafen-Sicherheitskontrolle. Und dann die Regel, die mir jedes Mal wieder auffällt: du darfst nichts mitbringen zum Unterschreiben. Stattdessen bekommst du vor Ort etwas, das du kaufen kannst. Die Band signiert es dann.
Kein Einzelfall. So machen es mittlerweile viele.
Vom Zufall zum Produkt
Früher war eine Autogrammkarte ein Zufallsmoment. Du standest nach dem Gig am Bühnenausgang, hattest Glück oder nicht, jemand kam raus, kritzelte was auf einen Zettel, den du sowieso schon in der Tasche hattest. Kostenlos, unplanbar, beiläufig.
Heute ist das ein Produkt mit eigener Preisliste. Ticket ist eine Kategorie. Zugang zur Halle eine andere. Nähe zur Band nochmal eine eigene, separat bepreiste Kategorie obendrauf, in diesem Fall im dreistelligen Bereich nah dran. Und selbst das, was du unterschreiben lassen darfst, ist Teil des Verkaufsprodukts. Du bringst nichts mit, du kaufst das Objekt der Nähe gleich mit dazu.
Wer zahlen kann, kriegt Nähe. Wer nicht, steht am Zaun.
Das eigentliche Problem ist nicht mal der Preis an sich. Bands müssen wirtschaften, Touren sind teuer, das verstehe ich. Das Problem ist die Sortierung, die dadurch entsteht. Es gibt jetzt einen Fan-Typ, der sich die Nähe leisten kann, und einen, der mit dem Handy irgendwo hinter dem Zaun steht und hofft, dass die Setliste heute Abend wenigstens den einen Song enthält. Früher war die Autogrammkarte Glückssache für alle gleichermaßen. Heute ist sie eine Einkommensfrage.
Ich stehe näher dran, kostenlos
Und hier wird es für mich unbequem. Ich stehe bei solchen Shows oft näher an der Bühne als jeder zahlende M&G-Gast, drei Songs lang, mit Presseausweis statt Rechnung. Kostet mich nichts außer Arbeit. Während neben mir Leute dreistellige Summen investiert haben, um für zwanzig Sekunden dieselbe Distanz zu überbrücken, die ich beruflich gratis bekomme. Das fühlt sich nicht fair an, auch wenn es formal ein völlig anderes System ist.
Das Unterschriebene ist echt. Der Moment ist gekauft.
Am Ende bleibt die Unterschrift auf dem Merch-Artikel echt, keine Frage, die Band hat wirklich den Stift in der Hand gehabt. Nur der Moment drumherum, die Beiläufigkeit, das Zufällige, das früher den eigentlichen Wert ausmachte, ist komplett verschwunden. Was bleibt, ist ein durchorganisiertes Produkt mit Autogramm als Feature.
Vielleicht sollte ich froh sein, dass mein Presseausweis wenigstens noch nicht im Bundle verkauft wird. Noch nicht.
Bis nächsten Freitag,
yours Doc Rock

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