
Es gibt Bücher, die man liest. Und es gibt Bücher, die man sich anhören muss, weil die Stimme dahinter genauso Teil der Botschaft ist wie der Text selbst. „Jenseits der Brandmauer“ ist so ein Fall. Monchi, seit zwei Jahrzehnten Sänger und Kopf von FEINE SAHNE FISCHFILET, erzählt hier nicht auf der Bühne, sondern im Ohrensessel-Format von seinem Leben in der vorpommerschen Provinz – und liest sein Buch komplett selbst ein. Fünf Stunden, ungekürzt, direkt von argon digital.
Und genau das macht den Unterschied. Wer FSF kennt, weiß: Diese Stimme hat schon auf der Platte immer mehr getragen als nur Zeilen – Wut, Zärtlichkeit, diesen ganz eigenen Ostdeutsch-Ton, der nie geglättet klingt. Im Hörbuch kommt diese Stimme ohne Gitarren und Blastbeats aus, dafür ganz nah dran. Man hört ihm regelrecht an, wenn er selbstkritisch wird, wenn er zweifelt, wenn er wütend ist über die 54 Prozent AfD-Stimmen im eigenen Geburtsort – einem Ort, an dem er fast jeden kennt. Das ist der Unterschied zu jeder gedruckten Version: Hier ist die Fassungslosigkeit tatsächlich in der Stimme zu hören, nicht nur zwischen den Zeilen.
Worum es geht
Nach Jahren in Rostock ist Monchi zurück in die vorpommersche Provinz gezogen – dorthin, wo viele andere längst weggegangen sind. Und dort prallt sein Alltag ständig auf Widersprüche, die er nicht wegschreibt, sondern aushält: Die Dorfkneipe, in der die Band ihr Festival plant, ist dieselbe, in der der AfD-Stammtisch tagt. Direkt neben dem Proberaum weht eine schwarz-weiß-rote Flagge. Und trotzdem bauen die unterschiedlichsten Leute im Ort gemeinsam einen Skatepark für die Jugend.
Kein Buch mit einfachen Antworten, sondern der Versuch, in einer zerrissenen Region zu bleiben, statt zu gehen – und dabei ehrlich zu bleiben über die eigene Angst, die eigene Wut, die eigene Hoffnung.
Wer FSF live erlebt hat, kennt diesen Effekt: Wenn Monchi auf der Bühne über Heimat und Herkunft spricht, fehlt jene abgeklärte Distanz, mit der viele Prominenten-Autobiografien vorgelesen werden. Genau diese Unmittelbarkeit trägt auch hier durch alle fünf Stunden. Er liest nicht vor, er erzählt – mit Pausen an den richtigen Stellen, mit einem Tonfall, der zwischen Wut und Zärtlichkeit pendelt, so wie es das Thema eben verlangt.
Für alle, die „Niemals satt“ schon als Hörbuch kennen, ist das die logische Fortsetzung: wieder Monchi pur, wieder ganz nah, diesmal mit einem noch politischeren Thema im Gepäck.

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