Review: Pioneers of Pagonia

4.3
(37)

Die Siedler-Spieleserie hat dieses Jahr ihren achten Teil erhalten (Nintendo DS- oder Browservarianten mal NICHT berücksichtigt) und lieferte dabei mit unausgegorenen Wirtschaftsketten und schlecht ausbalanciertem Kampfsystem sowie vielen Bugs und Abstürzen ein echtes Fiasko ab. Als Siedler-Spieler der ersten Tage kommt für mich an Teil zwei ohnehin nicht viel heran, spätestens nach Nummer fünf hatte mich die Serie verloren. Vorerst zumindest. In diese Nische springt nun aber Pioneers of Pagonia hinein, das von niemand Geringerem als dem originalen Siedler-Schöpfer Volker Wertich ins Leben gerufen wurde.

Das Spiel erfindet das Rad sicher nicht neu. Veteranen erkennen einiges direkt wieder: der Holzfäller bekommt direkt mal einen Förster und ein Sägewerk in die Nähe gepflanzt, man kümmert sich um die Nahrungsversorgung der Minenarbeiter und auch die Bevölkerung will erst einmal etwas essen, bevor es an die Fortpflanzung geht. Und die wird dringend benötigt, damit man immer genügend Träger hat. Man verknüpft die Gebäude mit Wegen, die von der wuseligen Bevölkerung frei benutzt werden – Staus inklusive. Das alte Fahnensystem gibt es hier also nicht.

Alles etwas anders

Und auch die Erweiterung des umliegenden Landes erfolgt etwas anders: in die Wachtürme kann man neben neben Soldaten auch Wächter schicken, die dann das Land mit der beim Steinmetz hergestellten Ressource „Grenzstein“ den eigenen Einflussbereich nach und nach erweitern. Die Soldaten benötigt man jedoch nicht, um damit fremde Dörfer einzunehmen, sie dienen dazu, die Stadt vor plündernden Dieben und Banditen (im späteren Verlauf auch Werwölfe) zu beschützen.

Die Karte ist gewonnen, sobald man sich mit allen Dörfern angefreundet hat. Dazu muss man Handel betreiben, Statuen vollenden oder Artefakte finden (oder auch mal ganz plump mit dem eigenen Reichtum flexen). Dann darf man sich mit den Rivalen vereinigen und das fremde Territorium sowie die Gebäude und Ressourcen ans eigene Netz per Straße angliedern.

Und das gefällt nicht

Es gibt aber auch einige Dinge, die mir nicht so gefallen. So muss man jedes einzelne Werkzeug oder Schwert beispielsweise beim Werkzeugbauer bzw. Waffenschmied „bestellen“, von alleine rührt der Kollege keinen Pixelfinger. Lager gibt es auch, die fassen aber nur von EINER Ressource exakt 64 Stück, was ich trotz des geringen Flächenbedarfs (eine Flächeneinheit) als zu klein empfinde. Auch einen Storymodus gibt es nicht, dafür aber unendlich viele Karten dank Zufallsgenerator und auch einige frei wählbare Szenarien. Statistiken sind noch sehr mager bis gar nicht vorhanden. Das sind aber alles noch Punkte, die sich nachjustieren lassen – das Spiel ist aktuell noch im Early Access und die Entwickler versprechen, noch auf die Kritiken mit entsprechenden Updates zu reagieren.

Auch an die Sortierung der Gebäude im Baumenü muss man sich erst gewöhnen. Außerdem kann man offenbar in Sackgassen geraten. So hatte ich zu Beginn einer Partie „von allen Arbeitertypen fünf Stück“ mühsam eingestellt – hatte dann aber nur noch einen einzigen Warenträger (es gibt einen Unterschied zwischen Waren- und Baustellenträgern) unter meinen gut 380 Siedlern, der sich schon zum Antreten des Wehrdienstes in der Militärakademie eingefunden hatte, zum Glück war aber dort kein Schwert mehr vorhanden. Ich hatte schlicht die Essenstische zu weit von der Taverne entfernt gebaut und so blieben sie leer, in der Folge gab es keinen Nachwuchs mehr. Einmal die Akademie abgerissen, um den fleißigen Helfer wieder freizulassen, die Tische neu an der richtigen Stelle gebaut und die Karte konnte weiter gespielt werden. Das ist aber natürlich eher mein Fehler als der Spielmechanik geschuldet.

Wie fesselnd das Spiel auf mich wirkt, zeigte mir heute Nacht der Blick auf die Uhr. Um kurz nach 21 Uhr gestartet strahlte mich plötzlich 4.10 auf der Uhr an. Und das ist für einen Titel, der bei Steam für unter 30 Euro zu haben ist, aller Achtung wert.

„Erfrischend anders und doch so voller nostalgischer Momente“

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