
Es gab Anfragen. Mehr als eine. Ich habe sie alle abgelehnt, bevor der Satz zu Ende gesprochen war. Nein! Nein! Ich bin ein Neinhorn.
Eine bestimmte deutsche Rockband, seit Jahrzehnten im Geschäft und mit einer Vergangenheit, die sie nie ganz los wird, gehört zu den wenigen Acts, bei denen ich nicht einmal kurz überlegen musste. Kein Abwägen, kein „vielleicht lohnt sich das trotzdem“, kein Blick auf die Gage oder die Reichweite. Kategorisches Nein. Und das, obwohl ich mich sonst gern als jemanden verstehe, der erst hinschaut und dann urteilt.
Die Vergangenheit ist der einfache Teil
Die Skinhead-Ursprünge in den frühen Achtzigern sind dokumentiert, die rassistischen und gewaltverherrlichenden Texte der Anfangsjahre auch. Die spätere Distanzierung kennt jeder, der sich auch nur oberflächlich mit der Band beschäftigt hat. Ich muss das hier nicht aufrollen, das haben andere ausführlicher und besser gemacht als ich es in einer Kolumne könnte.
Das ist der Teil meiner Ablehnung, den jeder versteht. Der Teil, für den ich keine Rechtfertigung brauche. Wer die Vergangenheit einer Band kennt und trotzdem den Auslöser drückt, muss sich fragen lassen, wo seine Grenze liegt. Bei mir liegt sie hier.
Der eigentliche Grund ist unbequemer
Aber wenn ich ehrlich bin, ist die Vergangenheit gar nicht der Punkt, der mich am meisten stört. Der Punkt ist: Selbst wenn ich die Geschichte komplett ausblenden könnte, bliebe nichts übrig, wofür es sich lohnen würde, die Kamera zu heben.
Die Musik ist belangloser Stadionrock, austauschbar produziert, textlich auf dem Niveau von Bierzelt-Gepöbel. Das ist fast das Bösere an der ganzen Sache: Diese Band nimmt einem nicht mal die Ausrede, man hätte für die Kunst über die Politik hinwegsehen können. Es gibt keine Kunst, über die man hinwegsehen müsste.
Was das über mich sagt
Ich merke selbst, wie unangenehm mir das ist, wenn ich es so hinschreibe. Es klingt, als würde ich mein ästhetisches Urteil über mein moralisches stellen, als wäre die Belanglosigkeit fast schlimmer als die Vergangenheit. Ist sie nicht. Aber sie ist der Grund, warum meine Ablehnung nie wie ein Kompromiss angefühlt hat, sondern wie eine Selbstverständlichkeit.
Und dann fällt mir auf, dass ich bei anderen Bands genau andersherum verfahre. Musikalisch fragwürdige Charaktere, bei denen ich trotzdem im Graben stand, weil die Musik gut genug war, um das Unbehagen kleinzureden. Konsequent bin ich also nicht. Ich habe nur bei dieser einen Band eine Kombination gefunden, bei der beide Kriterien gleichzeitig versagen, und das macht die Entscheidung leicht, nicht integer.
Die Pointe, die ihnen nicht gefallen würde
Wahrscheinlich würden die Fans sowieso nicht wollen, dass jemand wie ich sie fotografiert. Einer, der genau hinschaut und dann schreibt, was er sieht, statt das Bild zu liefern, das die Band gern von sich hätte. Insofern haben wir beide etwas davon, dass ich nie hingegangen bin. Nur ist meine Seite der Geschichte die bequemere.

Shutterhead