
Die Musikindustrie ist im Arsch – und das nicht mal auf die romantische „Rock’n’Roll geht unter“-Art, sondern eher so: schleichend, effizient und mit Excel-Tabelle.
Früher hat man sich darüber gestritten, wer sich verkauft. Heute geht es eher darum, wer sich am saubersten in Playlists einsortieren lässt. Musik wird nicht mehr entdeckt, sie wird platziert. Zwischen „Chill Vibes“, „Workout Motivation“ und „Sad Songs for No Reason“. Der Song ist dabei oft nur noch Mittel zum Zweck – ein 2:17-Minuten-Produkt mit sauberem Einstieg, damit bloß niemand weiterskippt. Kunst? Ja, irgendwo zwischen Algorithmus und Hook.
Labels reden derweil von „Strategie“, „Reichweite“ und „Content“. Früher hieß das einfach: Musik. Heute klingt es wie ein LinkedIn-Profil mit Gitarre. Bands sind keine Bands mehr, sie sind Marken. Und Marken müssen funktionieren. Immer. Überall. Auf TikTok, auf Instagram, im besten Fall auch noch auf der Bühne – wenn dafür Zeit bleibt.
Das Publikum spielt mit, natürlich. Wir alle. Aufmerksamkeitsspanne wie ein Goldfisch auf Koffein, immer auf der Suche nach dem nächsten Kick. Ein Song wird nicht mehr gehört, er wird gescannt. Gefällt er nicht in den ersten Sekunden, ist er weg. Zack. Nächster. Und irgendwo sitzt ein Produzent und kürzt den Intro noch um zwei Takte, damit der Algorithmus zufrieden ist.
Hauptsache es läuft
Und dann wundert man sich, warum alles gleich klingt. Warum der nächste „harte“ Song plötzlich einen Refrain hat, der auch auf einer Pop-Compilation funktionieren würde. Warum jede zweite Band klingt, als hätte sie denselben Baukasten gekauft. Die Antwort ist simpel: Risiko lohnt sich nicht mehr. Wiedererkennungswert ja – aber bitte nur in homöopathischen Dosen.
Besonders tragisch wird’s, wenn selbst die, die mal dagegen waren, plötzlich mitspielen. Die einst rebellischen Genres, schön glattgebügelt, kompatibel gemacht für große Bühnen und größere Deals. Hauptsache, es läuft. Im wahrsten Sinne.
Geld wird übrigens auch nicht mehr mit Musik verdient, sondern mit allem drum herum. Merch, VIP-Pakete, Meet & Greets – Musik ist das Eintrittsticket für das eigentliche Geschäft. Der Song ist der Trailer, das Produkt kommt danach. Und wenn du Glück hast, darfst du für ein Foto mit der Band noch extra zahlen, die du eigentlich wegen ihrer Musik mochtest.
Ist die Musikindustrie also komplett verloren? Nicht ganz. Es gibt sie noch, die kleinen Szenen, die ehrlichen Bands, die schmutzigen Clubs. Orte, an denen Musik noch nach Schweiß klingt und nicht nach KPI-Meeting. Aber das ist längst nicht mehr das Zentrum. Das ist der Rand.
Und im Zentrum? Da wird optimiert, kalkuliert und poliert, bis aus Musik ein Produkt geworden ist, das möglichst vielen gefällt – und deshalb immer weniger bedeutet.
Die Musikindustrie ist nicht gestorben. Sie hat sich nur entschieden, lieber effizient zu sein als relevant.
Bis nächsten Freitag!
yours Doc Rock
