
Wenn eine Band ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat und dabei nie in Rente gegangen ist, dann darf man erwarten, dass die Jubiläumsliteratur nicht gerade schmalbrüstig daherkommt. Infinite Dreams – 50 Jahre Iron Maiden erfüllt genau das: ein 352 Seiten starkes Monument, prall gefüllt mit mehr als 600 Fotos, Plakaten und Memorabilia aus fünf Dekaden Bandgeschichte.
Das Ganze ist jetzt auch auf Deutsch erhältlich – und zwar in einer Qualität, die klar macht: Hier geht es nicht um schnelle Kassenfüller, sondern um ein Buch, das sich sehen lassen will. Schon das Format schreit nach dem Couchtisch im Wohnzimmer und nicht nach dem Regal zwischen Taschenbuchkrimis.

Inhaltlich führt der Band chronologisch durch die Epochen: von den ersten Schritten im Londoner East End über die Explosion der Achtziger, die experimentell schwierigen Neunziger bis hin zur Renaissance ab Brave New World. Zwischendurch gibt es Entwürfe für Eddie-Artworks, seltene Backstage-Szenen und Bühnenpläne, die auch nach Jahrzehnten noch Gänsehaut auslösen.

Natürlich gilt: Wer intime Einblicke oder tiefschürfende Analysen erwartet, wird eher zu Bruce Dickinsons Autobiografie greifen. Infinite Dreams ist keine Enthüllungsliteratur, sondern ein Fest fürs Auge. Aber gerade das macht den Reiz aus – die visuelle Zeitreise funktioniert sofort, ohne dass man 20 Seiten lesen muss, um sich zurückversetzt zu fühlen.
Preislich liegt der Band bei rund 60 Euro – kein Schnäppchen, aber im Vergleich zu Inhalt und Verarbeitung absolut fair. Für Fans Pflicht, für Sammler ein Highlight und für alle anderen ein schöner Beweis, dass Rock’n’Roll auch nach fünf Jahrzehnten verdammt gut altert.
Würdiger Bildband zum halben Jahrhundert Iron Maiden!

