
Ich habe letztens vier Magazine nebeneinander aufgeklappt bzw online aufgerufen. Verschiedene Namen, verschiedene Layouts, verschiedene Redaktionen. Und dann dasselbe Foto der Band. Nicht ähnlich. Dasselbe. Gleicher Winkel, gleiches Licht, gleiche gelangweilte Coolness im Blick des Sängers, nur unterschiedlich zugeschnitten, je nachdem wie viel Platz das Layout hergab. Ich habe kurz gedacht, ich hätte mich verguckt. Hatte ich nicht.
Das Presskit ist gratis
Die Erklärung ist unspektakulär, fast schon banal. Redaktionen wollen nicht mehr investieren. Ein Fotograf kostet Zeit und Geld. Ein Presskit kostet einen Klick. Also nimmt man das Presskit. Zwanzig Magazine, ein Fotoshooting, ein Ergebnis. Magazin A druckt dasselbe Bild wie Magazin B, während Magazin C eine anderes Foto aus der gleichen Session nimmt und alle tun so, als hätten sie redaktionell gearbeitet.
Ich verstehe die Logik. Ehrlich. Ich habe als Redakteur bei den verstorbenen Lokalzeitungen der Funkegruppe auch schon genauso entschieden, als das Budget immer knapper wurde. Trotzdem sitzen wir da mit unserem Presseausweis und Equipment und konkurriere strukturell gegen ein Foto, das nichts kostet (weil es die Plattenfirma bezahlt hat). Das ist kein fairer Wettbewerb. Das ist gar kein Wettbewerb.
Das eigentlich Bittere daran ist nicht mal der Verlust für uns Fotografen. Es ist der Verlust für euch als Leser. Ihr blättert durch fünf verschiedene Magazine in dem Glauben, fünf verschiedene Perspektiven auf eine Band zu bekommen. Bekommt ihr aber nicht. Ihr bekommt eine Perspektive, fünfmal recycelt, mit fünf verschiedenen Schriftarten drumherum.
Die Musikpresse hat sich visuell selbst nivelliert. Nicht durch böse Absicht, sondern durch tausend kleine, nachvollziehbare Sparentscheidungen. Am Ende sieht die ganze Branche aus wie ein einziges Magazin mit vielen Titelköpfen.
Bis nächsten Freitag (?),
yours Doc Rock

Shutterhead